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Photo credit: David Blunsden/ActionPlus12283914 via Imago

Ungewollt und ungeliebt - Wijnaldum teilt gegen Social-Media-Fans aus

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  • Autor Richard Köppe
    4 Monat(e) vor



Georginio Wijnaldum kritisiert nach seinem Wechsel nach Paris das Verhalten einiger Fans auf Social Media, die ihn zum Sündenbock machten.

Der Unterschied zwischen dem Verhalten der Fans innerhalb der Stadien und dem auf den sozialen Medien könnte nicht größer sein. Das machte Georginio Wijnaldum jetzt nochmal sehr deutlich. Der zu Paris Saint-Germain abgewanderte Mittelfeldspieler erzählte in einem Interview mit dem "Telegraph", dass er sich zum Abschluss seiner Zeit in Liverpool von einem Teil der Fans geächtet fühlte.

"Es gab einen Moment, in dem ich mich nicht geliebt oder wertgeschätzt fühlte", gestand Wijnaldum, der in fünf Jahren 247 Spiele für die Reds absolvierte. "Nicht von meinen Mitspielern, auch nicht von den Leuten in Melwood. Von ihnen kann ich sagen, dass sie mich alle lieben und ich liebe sie. Es kam nicht von dieser Seite, sondern mehr von der anderen Seite."

Keine Wertschätzung von Liverpools Vereinsbossen

Mit der "anderen Seite" könnten die Vereinsbesitzer der Fenway Sports Group (FSG) gemeint sein, die mit Wijnaldum nicht zu verbesserten Konditionen verlängern wollten. Der Niederländer verlangte als Schlüsselspieler der Mannschaft nach dem Gewinn der Champions League, der FIFA Klub-Weltmeisterschaft und des Premier League-Titels ein höheres Gehalt was seiner Rolle gerecht wurde.

FSG war aber nicht gewillt, einem 30-jährigen Spieler einen langfristigen, lukrativen Vertrag anzubieten. Nach einem langen Vertragspoker verließ Wijnaldum den Klub ablösefrei, obwohl er gerne geblieben wäre und Trainer Klopp ihn gerne behalten hätte. Die gegenseitige Wertschätzung hätte nicht größer sein können.

Wijnaldum geknickt von steigendem Onlinehass

Wijnaldums undurchsichtige Vertragssituation machte ihn für ungeduldige und leicht erzürnte Fans auf den sozialen Medien zur Zielscheibe. Dabei machten es laut Wijnaldum "die Medien nicht leichter", die nach Berichten, dass Wijnaldum mehr Geld verlangte zu dem Schluss kamen "Ok, er hat kein Angebot bekommen, deswegen gibt er nicht sein Bestes, um die Spiele zu gewinnen."

Die Kritik an Wijnaldums Person wurde größer, als Liverpool letzte Saison zwischen Januar und März nur noch selten Siege einfahren konnte. "Als es schlecht lief, war ich der Spieler, der von ihnen dafür verantwortlich gemacht wurde, dass ich den Verein verlassen möchte", erzählte Wijnaldum.


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"Die Fans im Stadion haben mich immer unterstützt"

Der niederländische Nationalspieler machte dabei noch mal deutlich, dass die Kritik überwiegend über die sozialen Medien zu ihm gelangte. "Mein Eindruck war, dass die Fans im Stadion und die Fans auf Social Media zwei unterschiedliche Gruppen waren. Die Fans im Stadion haben mich immer unterstützt", sagte Wijnaldum. "Auch als sie wieder zurückkamen und wussten, dass ich gehen würde, haben sie mich unterstützt und mich großartig verabschiedet."

Wijnaldums Worte machen nochmal deutlich, dass die Beleidigungen und das Mobbing von Profi-Fußballern auf Social Media zu einem echten Problem geworden ist, dass sich stark auf die Mentalität der Spieler auswirkt. Im Laufe der letzten Saison wurden seine Teamkollegen Sadio Mané, Naby Keïta und Trent Alexander-Arnold nach einer Champions League-Niederlage gegen Real Madrid rassistisch beleidigt. Auch Youngster Neco Williams wurde nach schlechten Leistungen das Opfer von menschenunwürdigen Beleidigungen. Der Waliser löschte kurzweilig seine Social-Media-Kanäle.

"Die Beleidigungen sind über die Jahre definitiv schlimmer geworden", sagte Alexander-Arnold in einem Interview mit "The Athletic". "Es ist eine Minderheit, die die Grenze überschreitet, aber sie sorgen für viel Lärm. Sie haben das Gefühl, sie können mit allem durchkommen. Sie gehen auf die Spieler los. So etwas ausgesetzt zu sein, wirkt sich auf niemanden positiv aus."

Dem Onlinehass keine Chance geben

Im Falle Wijnaldum muss man zwar klarstellen, dass nicht der Hass auf Social Media, sondern die geringe Wertschätzung der Vereinsbosse Grund für seinen Wechsel zu Paris Saint-Germain war. Dennoch weist es nochmal auf ein wichtiges Thema hin, gegen das Spieler, Fans, Vereine und Verbände gemeinsam ankämpfen müssen. Anfang Mai deaktivierten sowohl die Premier League als auch die Spieler und Vereine ihre Social-Media-Kanäle als Aufruf an die Betreiber, härter und konsequenter gegen Online-Hass, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus vorzugehen.


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Solche Aktionen sollten ein klares Zeichen an alle senden, gegen Hass und Hetze im Alltag und auf den sozialen Medien zu kämpfen und die Schuldigen unverzüglich zu melden oder in die Schranken zu weisen. Nur so bekommt die lautstarke, pöbelnde Minderheit nicht das Gefühl, dass sie sich über alles erhaben fühlen.





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