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Safe Standing im Stadion
Photo credit: xMartinxRickettx 44309560 via Imago

Safe Standing könnte in England noch diese Saison legal werden

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  • Autor Robin Wittwer
    7 Tage vor



In Englands Fußballstadien ist es seit 1994 verboten, in den Stadien zu stehen, was sich aber noch diese Saison ändern könnte.

Mehrere Vereine haben in ihren Stadien bereits Safe-Standing-Sektoren eingeführt, dürfen diese aber noch nicht als solche benützen. Obwohl auch Liverpool diesen Sommer in Teilen des Kops sowie des Anfield Road Ends Safe-Standing-Plätze errichtet hat, ist es noch immer nicht erlaubt, in Anfield zu stehen. Bislang dient es nur als zusätzliche Sicherheit für die Fans.

 

 

Weil es ein großes Bedürfnis gibt, während Spielen zu stehen, machen es die Fans seit Jahren trotzdem. In einer Umfrage der Liverpooler Fanvereinigung 'Spirit of Shankly' sprachen sich 88 Prozent der Befragten für Stehplätze aus.

Der gesamte Kop, die Auswärtsfans und der restliche Teil des Lower Anfield Road Stands stehen regelmäßig. Während das verständlich ist, riskiert man dabei, beim Torjubel oder sonst einem speziellen Moment auf die vordere Sitzreihe zu fallen. Safe Standing mit Barrieren vor jeder Sitzreihe würde dies verhindern und ein sicheres Stehen ermöglichen.

Gesetzesänderung noch diese Saison?

Oliver Dowden, britischer Minister für Kultur, Digitales, Medien und Sport, bestätigte in einem Interview mit der Zeitung 'The Times', dass es wahrscheinlich noch diese Saison zu einer Gesetzesänderung kommen wird. Seit 1994 und dem Taylor-Report ist es aufgrund der Hillsborough-Katastrophe verboten, in Englands obersten beiden Ligen zu stehen. Dowden sagte gegenüber der Times:

"Es ist die vernünftigste Entscheidung [Safe Standing zu legalisieren], weil Fans das gesamte Spiel stehen und das kann man sicherer machen."

 

 

"Wir sind im Dialog mit der Polizei und werden noch diese Saison zum Punkt kommen, wo wir Safe Standing zumindest als Pilotprojekt einführen werden."

Schon 2019 nahm die konservative Regierungspartei Safe Standing in ihr Wahlmanifest auf, genauso wie die oppositionelle Labour Party. Aufgrund der Corona-Pandemie lag der Fokus in letzter Zeit allerdings auf anderen Dingen. Da seit dieser Saison die Stadien wieder voll sind, ist Safe Standing wieder auf der Agenda.

'Early Adopters' werden ausgewählt

Die Sports Ground Safety Authority (SGSA), also die Behörde für Sicherheit in Sportstadien, wird nun Stadien auswählen, wo Safe Standing-Pilotprojekte durchgeführt werden. Es ist wahrscheinlich, dass die SGSA dabei Stadien wählt, die schon geeignete Barrieren installiert haben. Darunter sind neben Liverpool auch Manchester United, Chelsea, Manchester City und die Wolverhampton Wanderers.

 

 

In den vergangenen Jahren wurde intensiv Forschung betrieben, um herauszufinden, ob Safe Standing wirklich sicher ist. Das überwältigende Resultat lautet, dass es das ist. Wenn die Testphase wie geplant verläuft, könnten bald alle Vereine in den obersten beiden Ligen Stehplätze einführen. Ob es dabei eine Obergrenze für die Größe der Safe Standing-Sektoren geben wird, ist bislang nicht bekannt.

Margaret Aspinall nicht mehr gegen Safe Standing

Natürlich ist das Thema Stehplätze in Liverpool sehr emotional. Während der Hillsborough-Katastrophe im Jahre 1989 und als direkte Folge davon starben in den Stehplätzen des Hillsborough-Stadions 97 Liverpool-Fans. Die Hinterbliebenen der Opfer haben lange gegen Stehplätze gekämpft. Margaret Aspinall, ehemalige Vorsitzende der Hillsborough Family Support Group (HFSG), kann sich mittlerweile mit Safe Standing abfinden. Die HFSG war maßgeblich daran beteiligt, dass die Wahrheit über Hillsborough ans Licht kam.


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"Die Meinungen der Leute haben sich verändert. Man muss sich den Zeiten anpassen", so Aspinall, die bei Hillsborough ihren Sohn verlor.

In der Tat sind die Stehplatz-Terrassen der 80er Jahre etwas komplett anderes als modernes Safe Standing. Seit dem Taylor-Report hat sich viel getan und heutige Stadien sind um Welten sicherer als vor 30 Jahren.

Zu welchem Zeitpunkt Safe Standing in Anfield wirklich Realität wird, ist offen. Die gegenwärtige Tendenz zeigt aber eindeutig in die Richtung einer Einführung in den nächsten Jahren.





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