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Mohamed Salah feiert seinen 2:0 Treffer gegen Manchester United in Anfield. Mohamed Salah ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Neben dem Platz ist er als Influencer und Volksheld Ägyptens bekannt.
Photo credit: Photo by Michael Regan/Getty Images

Mohamed Salah - Fußballer, Influencer und Volksheld

Blog / Kolumne

  • Autor Eric Schmahl
    14 Tage vor



Mohamed Salah ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Neben dem Platz ist er als Influencer und Volksheld Ägyptens bekannt.

Erst kürzlich erschien auf der Homepage des Liverpool FC ein Interview mit einigen Verantwortlichen des Vereins. Dort wird Mohamed Salah als "wahres Vorbild" und "großartiger Mensch und Freund" beschrieben.

 

 

Der Fußballer auf dem Feld

 

 

Diesen Abschnitt kann man eigentlich kurz halten. Denn jeder kennt die fußballerischen Qualitäten des Mohamed Salah. In seiner Debütsaison wurde er von den Fans der Reds zu Recht gefeiert. Von missgünstigen Gegnern wurde er als "One Season Wonder" bezeichnet.

Diesem spöttischen Abgesang machte Salah schnell den Garaus. Nach seinen 44 Buden in der Debütsaison erzielte er in der kommenden Spielzeit 27 Treffer. In der Saison 2019/2020 reichte es dann "nur noch" für 22 Treffer, von denen er 19 in der Premier League erzielte.

In der vergangenen Saison, die für den LFC wahrlich keine einfache war, erzielte er dennoch insgesamt 31 Treffer. Für die Torjägerkanone in der Premier League reichte es leider nicht. Diese sicherte sich Harry Kane mit einem Tor Vorsprung. Das dürfte für den Ägypter verkraftbar sein, denn für die Champions League-Qualifikation der Reds reichte es dennoch.

Nach Ende der Saison 2020/2021 stehen auf dem Konto von Mohamed Salah 203 Einsätze, 125 Tore und 43 Assists. Mit dieser Quote gehört Salah zu den besten Fußballern, die in der Premier League gespielt haben.

Der Fußballer in der Kabine

 

 

Nicht nur auf dem Platz hat Salah einen großen Einfluss. In der Kabine und im Training punktet Salah mit seiner Mentalität und seiner Arbeitsmoral. Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Andreas Kornmayer, alle Teil von Klopps Trainerteam, sprachen letztens offen über Mohamed Salah.

"Es ist eine Freude, ihn zu trainieren. Es ist eine Freude, um ehrlich zu sein, denn der "Egyptian King" ist ein absoluter Profispieler. Er will unbedingt gewinnen, er will unbedingt Tore schießen und er ist bereit, für seinen Beruf zu leben", so Krawietz.

"Er ist sehr motiviert und will so viel Erfolg wie möglich haben. Es ist ziemlich einfach, mit ihm zu arbeiten, er ist nicht nur ein hochprofessioneller Spieler, mit dem man gerne zusammenarbeitet, er ist auch ein toller Typ und ein Freund. Es ist einfach eine Ehre, mit ihm zu arbeiten", sagte Fitnesscoach Kornmayer.

"Diese Konstanz in den letzten drei oder vier Jahren - sich gemeinsam mit dem Team zu entwickeln, sich ständig auf diese Menge an Herausforderungen vorzubereiten, auf dem hohen Niveau immer so gut wie möglich zu performen, gesund zu bleiben, Verletzungen zu vermeiden - wir Trainer wissen, dass das ein 24/7-Job ist!", so Krawietz weiter.

"Er ist jemand, der das Spiel liebt und die Notwendigkeit versteht, mit maximaler Konzentration zu trainieren - das ist so wichtig -, aber ein Lächeln und ein Scherz sind zwischen ihm und den anderen immer drin", sagt Pepijn Lijnders.

Der Einfluss an der Merseyside

 

 

Salah beeinflusst mit seinem Charakter und seiner Mentalität aber nicht nur das Team um ihn herum. Als gläubiger Muslim hat Mohamed Salah auch einen integrativen Einfluss in Liverpool.

Wissenschaftler der Stanford University machten sich 2019 daran zu analysieren, wie stark Salah's Einfluss an der Merseyside wirklich ist. Konkret untersuchten sie die Zahl der islamfeindlichen Hassverbrechen in der Grafschaft Merseyside im Vergleich zu anderen englischen Grafschaften. Außerdem wurden rund 15 Millionen Tweets von Fans englischer Topclubs auf ihre Islamfeindlichkeit hin analysiert. Zu guter Letzt fragte man die Haltung gegenüber dem Islam bei Liverpool-Fans ab.

Das Ergebnis kann man gut und gerne als "Salah-Effekt" bezeichnen. Die Zahl der Hassverbrechen gegen Muslime sank seit der Ankunft von Mohamed Salah um knapp 19 %. Der Anteil antimuslimischer Tweets bei Liverpool-Fans nahm um ganze 53,2 % ab.

Die Begründung hierfür liegt auf der Hand. Mohamed Salah nimmt in Liverpool eine Botschafter-Rolle ein. Tore feiert Salah oft in einer muslimischen Gebetshaltung, seine Tochter ist nach der Stadt Mekka benannt und in den sozialen Medien lässt er seine Follower am Ramadan teilhaben. Er bringt den englischen Fans die Praktiken des Islams näher und sorgt so dafür, dass Vorurteile abgebaut werden.

Bedenklich ist aber, dass die Zahl der antimuslimischen Tweets von Fans anderer Vereine zunahm. Der positive Effekt ist also stark vom Blickwinkel einer Person abhängig.

Internationaler Einfluss von Mohamed Salah

 

 

Die Rolle von Mohamed Salah als politischer Botschafter beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Region um Liverpool herum. Als einer der besten Flügelspieler der Welt hat Salah ein erhebliches Publikum, das über die Liverpooler Fangemeinde hinausgeht.

Dieses Publikum nutzt Salah durchaus politisch. "Wir müssen die Art und Weise verändern, wie wir Frauen in unserer Kultur behandeln", sagte er beispielsweise. Salah steht für einen modernen, integrativen Islam. Er hat die nötige Reichweite, um das Bild vom Islam nachhaltig zu verändern.

Seine Reichweite erkannte auch das Time Magazine. 2019 wurde er unter die 100 einflussreichsten Personen gewählt. Damit gehört er zu einer illustren Gruppe von Menschen wie Tennisspielerin Naomi Osaka, Klimaaktivistin Greta Thunberg und Basketballer LeBron James.

Volksheld in Ägypten

 

 

Es wäre fast noch untertrieben zu sagen, dass Mohamed Salah in Ägypten wie ein Volksheld gefeiert wird. Seine Popularität übersteigt die von den meisten ägyptischen Politikern.

Das zeigte sich nicht zuletzt bei der Präsidentschaftswahl 2018. Amtsinhaber Abdel Fattah el-Sisi trat für eine weitere Amtszeit an. Sein einziger offizieller Gegner war Moussa Mostafa Moussa. Gültig waren aber nur 92,7 % der Stimmen. Über 1,7 Millionen Ägypter hatten ungültig gewählt.

Wie kam es dazu? Berichten zu Folge hatten zahlreiche Menschen beide Namen durchgestrichen und stattdessen Mohamed Salah auf dem Stimmzettel ergänzt. So erhielt Salah sogar mehr Stimmen als der Herausforderer des amtierenden Präsidenten. Nicht vorzustellen wie viele Stimmen Salah bekommen würde, wenn er offiziell zur Wahl angetreten wäre.

Seitdem arbeitete Salah immer weiter daran, sein Image als Volksheld auszubauen. 2018 schoss Salah kurz vor Spielende die ägyptische Nationalmannschaft noch zur Weltmeisterschaft in Russland. Das war die erste Teilnahme seit 1990. Schlussendlich konnte Salah das Ausscheiden in der Gruppenphase nicht mehr verhindern.

Denn kurz zuvor, im Champions League Finale 2018, wurde Salah von Sergio Ramos verletzt. Dadurch verpasste Salah das erste Gruppenspiel gegen Uruguay. Trotz zweier Tore in den kommenden zwei Gruppenspielen schied Ägypten schon in der Gruppenphase aus. Einige Ägypter geben Sergio Ramos die Schuld für das frühe Ausscheiden. Eins ist also klar: Ramos sollte so schnell keinen Urlaub mehr in Ägypten buchen.

Popularität kann auch negative Folgen haben

 

 

Dass hohe Popularität in Ägypten auch negative Folgen haben kann, zeigt der Fall von Mohamed Aboutrika. Er führt Ägypten zu zwei Titeln im Afrika-Cup in den Jahren 2006 und 2008. Den größten Teil seiner Karriere blieb er seinem Club Al Ahly treu. Er war ein gefeierter Volksheld.

Die Betonung liegt dabei auf "war". Denn nach dem arabischen Frühling war er dem Regime, das bis heute an der Macht ist, ein Dorn im Auge. Das ging so weit, dass er auf die Terrorliste gesetzt wurde und daraufhin ins Exil gehen musste. Aus der öffentlichen Wahrnehmung ist er zwar nicht ganz verschwunden. Das ägyptische Regime tat aber alles dafür, sein Ansehen als Volksheld zu untergraben.

Der Fall von Aboutrika zeigt wie gefährlich es sein kann, wenn man seinen Einfluss geltend macht. Lange Zeit war er der unantastbare Volksheld. Doch schließlich musste auch er seine Waffen vor dem Regime strecken und ins Exil gehen.

Dieser Gefahr ist auch Mohamed Salah ausgesetzt. Das Regime wird ihn so lange gewähren lassen, bis er sich öffentlich gegen sie stellt. Seine liberale Haltung dürfte jetzt schon auf wenig Gegenliebe stoßen. Äußerungen, die im Westen frenetisch beklatscht werden, könnten ihn in seinem Heimatland schnell ins Abseits schießen. Es ist also ein Drahtseilakt für den jungen Ägypter.

Es ist absolut klar, was für eine außergewöhnliche Persönlichkeit Mohamed Salah ist. Das bezieht sich sowohl auf den Fußballer auf dem Platz als auch auf den Menschen abseits des Platzes. Salah lebt nach klaren Devisen und ohne große Star-Allüren. Das ist in Liverpool keine Seltenheit. Man denke an Jamie Carragher, der sich unter den schwierigsten Umständen zu einer absoluten Vereinslegende entwickelte.

Mohamed Salah hat das Potenzial, es Carragher oder anderen Superstars nachzumachen. Sein Potenzial reicht sogar noch etwas weiter. Als Botschafter des Islam hat er an der Merseyside schon einen erheblichen Unterschied bewirkt. In seinem Heimatland wird er als progressiver Muslim verehrt. All das sind Werkzeuge für eine große Karriere abseits des Fußballplatzes.


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Das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Hoffentlich dürfen sich die Fans des Liverpool FC noch lange Jahre an den fußballerischen und menschlichen Fähigkeiten des Mohamed Salah erfreuen. Zu wünschen wäre das allemal!








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