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Michael Edwards verabschiedet sich von den Liverpool Fans zum Saisonende 2022 und wir uns von ihm. Ein Kommentar zu einer vielleicht ungewöhnlichen Legende.
Photo credit: David Rawcliffe_Propaganda_171230-030

Michael Edwards - Ein Abschied von einer Liverpool-Legende

Blog / Kolumne

  • Autor André Völkel
    18 Tage vor



Seit einigen Tagen ist es nun Realität: Liverpool und Michael Edwards bestätigen den Abschied zum Saisonende 2022. Und ich bin ihm sehr dankbar für alles.

 

 

Der Abschied von Michael Edwards brodelte als Gerücht seit dem Spätsommer an der Oberfläche. Ende August bereitete David Ornstein uns Fans auf eine schwere Trennung vor. Seit einigen Tagen ist es nun Realität: Liverpool und Michael Edwards bestätigen den Abschied zum Saisonende 2022. Und ich bin ihm sehr dankbar für alles.

In einem sehr langen und persönlichen Brief erklärt sich Edwards, offenbart spannende Anekdoten und bereitet auf das Unausweichliche im Sommer 2022 vor. Er spielte eine tragende und bedeutende Rolle, aber obwohl er Sportdirektor eines der größten Fußballklubs der Welt ist, hat er ein sehr ruhiges und zurückgezogenes Leben im Verein geführt. Ein Kunststück in der lauten und "sensationsgeilen" Sportwelt.

Der erste Gedanke, den ich beim Lesen seines offenen Briefes hatte, war: "Jahrelang hört man so gut wie nix von ihm, sieht nix und dann hört er nicht mehr auf zu reden."

Wir als Fans müssen dankbar sein. Dankbar für die fast 2000 Wörter, in denen Edwards offen und ehrlich seine Entscheidung erklärt und somit kaum Platz für Spekulationen lässt. Dankbar für die Hintergründe über das, was ab Sommer passieren wird. Julian Ward, sein Protegé, wird die Geschicke der Abteilung leiten und diesen lobt Edwards in hohen Tönen. Das schafft Vertrauen. Zumindest bei mir.

Michael Edwards verlässt Liverpool nach 10 Jahren und wird doch nicht so richtig loslassen. Er verlässt zwar seine Stelle als Sportdirektor, doch er wird noch im Hintergrund aktiv bleiben und die Übergangszeit betreuen.

"Er wird den Club nicht überstürzt verlassen, so haben wir noch etwas Zeit zusammenzuarbeiten", sagte Jürgen Klopp in seiner Lobeshymne an Edwards und den Nachfolger Julian Ward. "Wenn wir weiterhin soviel Glück haben wie bisher, können wir vielleicht in der verbleibenden Zeit weitere besondere Erinnerungen für unseren Verein schaffen." Jürgen Klopp, der unermüdliche Optimist.

Die zwei Seiten des Michael Edwards

 

 

Seine Karriere beim Liverpool FC lässt sich in zwei Teile erzählen. Unter Brendan Rodgers arbeitete sich Edwards an die Spitze eines dysfunktionalen Transferkomitees, das für Teile der Fußballwelt ein "Witz" war. Es gab interne Streitereien, Machtkämpfe mit Rodgers und dann waren da noch Transfers wie die von Balotelli und Markovic.

Und während der Wechsel von Klopp 2015 zu den Reds dem Club neue Hoffnung gab, wurde auch Edwards zum neuen Sportdirektor ernannt. Die einstige Skepsis schwang im zweiten Teil seiner Amtszeit um in Euphorie, Erfolg und Respekt. Zurecht.

In der Fußballwelt wird Edwards von seinen "Kollegen" respektiert und gelobt. Ein rivalisierender Sportdirektor wird mit den Worten zitiert, Edwards sei zu einer der "prominentesten und eloquentesten" der Branche aufgestiegen. "Er ist gut in seinem Job, hat immer einen klaren Standpunkt und legt die Gründe dafür dar. Michael macht immer sehr gute finanzielle Arbeit für Liverpool und es gab Zeiten, in denen wir keinen Mittelweg und Kompromiss mit Ihnen finden konnten. Liverpool verhandelt hart, und der Beweis für Edwards Erfolg liegt auf der Hand."

Dieser Erfolg wird durch eine bemerkenswerte Statistik untermauert. Die Netto-Transferausgaben der Reds belaufen sich in den ersten knapp fünf Jahren (bis Ende Juni 2020) unter Klopp und Edwards an der Spitze auf 92,4 Millionen Pfund. Das ist weniger als Watford, halb so viel wie bei Brighton & Hove Albion oder Aston Villa und weit hinter Newcastle United.

Zum Vergleich: Manchester Citys Gesamtausgaben belaufen sich auf über 500 Millionen Pfund. Bei Manchester United sind es über 370 Millionen Pfund.

Der Mann der Mohamed Salah entdeckte

 

 

Edwards überzeugte Jürgen Klopp davon, Mohamed Salah zu verpflichten. Muss man wissen und sich vor Augen führen und ihm dafür unendlich dankbar sein. Ursprünglich bevorzugte Klopp Bayer Leverkusens Julian Brandt. Edwards blieb hartnäckig - genauso wie gegen Barcelona.

Eine der legendärsten Klauseln überhaupt war Teil des Coutinho-Transfers. Für jeden kommenden Spieler, den Barcelona in den kommenden Jahren nach dem Transfer von Philippe Coutinho von den Reds verpflichten wollte, sollten die Katalanen zusätzliche 100 Millionen Pfund latzen. In England kann man sowas auch "shithousery" nennen - eine Kunst, die zum Fußball dazu gehört, aber nur wenige wirklich beherrschen. Ein Mittelfinger in Richtung Spanien. Zu selten genutzt in diesem Sport.

Edwards entscheidet sich für Klopp

Die jüngste Bilanz wirkt schon fast lächerlich. In den letzten Jahren wirkte kaum ein Transfer deplatziert oder falsch. Er gab uns Virgil Van Dijk, Roberto Firmino, Sadio Mané, Alisson Becker und Fabinho Tavares - alles Spieler, die das Rückgrat und die Basis des Erfolges bei Liverpool sind. Michael Edwards hat seinen Job mehr als nur hervorragend gemacht. Der Erfolg lässt sich jedoch nicht nur an den Spielern messen, die Liverpool verpflichtet hat oder zu fast schon legendären Summen verkauft haben.

Damals, als 2015 FSG entschied, sich nach dem desolaten Saisonstart und internen Querelen von Brendan Rodgers zu trennen, standen drei Trainer zur Auswahl. Eddie Howe von Bournemouth, Jürgen Klopp im Urlaub und Carlo Ancelotti. Als technischer Direktor sollte Edwards entscheiden, wer die passenden und herausragenden Qualifikationen für die Nachfolge von Brendan Rodgers mit sich bringt.

Edwards überzeugt alle von Klopp und die Besitzer zusammen mit Ian Ayre als Geschäftsführer dann den Schwarzwälder. Es hätte alles anders kommen können. Danke dafür!

2015-2020 Liverpools Transformation und der langersehnte Titel

Als weiterer Indikator für den Erfolg kann man auch die Aufstellungen des ersten Spiels unter Klopp hinzuziehen und sie mit dem Team vergleichen, welches am 22.07.2020 gegen Chelsea antrat, um als Meister gekürt zu werden.


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Up The Reds!


Liverpool hat in fünf Jahren eine unfassbare Transformation durchgemacht. Neues Team, erweitertes Stadion, neue Trainingsgelände und eine Akademie, von der viele Träumen.

Michael Edwards - der perfekte Partner für Klopp

 

 

"Er war während meiner Zeit beim LFC eine konstante Größe und sein Beitrag zu unserem Erfolg ist für jeden ersichtlich." bestätigt uns Jürgen Klopp. Und Michael Edwards wird im Verein und unter den Fans als der knallharte Experte bekannt bleiben, der irrsinnige Transfersummen für Liverpool ausgehandelt hat.

Und er wird als die zentrale Person in Erinnerung bleiben, die den deutlichen roten Faden durch die Transferpolitik der Reds gezogen hat, die schlussendlich das Fundament bildete, für den Erfolg Liverpools in den letzten Jahren. Vier Titel, darunter die langersehnte Meisterschaft und ein Team, dass nicht nur jedes andere Team schlagen kann, sondern auch über Jahre hinweg das Maximum aus dem herausgeholt hat, was möglich war.

Edwards war der perfekte Partner für Jürgen Klopp. Abseits des öffentlichen Rampenlichts, das Klopp einnahm, zog Edwards die Fäden im Hintergrund.

Wie groß wird sein Verlust für Liverpool sein? Änderungen in einer gut funktionierenden Struktur sind immer mit Risiken verbunden. Andererseits ist es eine große Chance für Weiterentwicklung und neue Impulse.

"Ich habe volles Vertrauen in Mike Gordon und die Besitzer in ihrer Vision für das, was als Nächstes kommt", sagt Klopp zu dieser Situation. Aber wenn einer in der Lage ist, eine besondere Verbindung und Partnerschaft aufzubauen, dann ist es Jürgen Klopp. Die Fans können davon ausgehen, dass die neue Partnerschaft funktionieren wird. Auch das schafft Vertrauen und Ruhe.

Julian Ward erbt große Verantwortung

 

 

Wird denn alles gut? Ja. Alles wird gut. Nicht nur Michael Edwards will uns Fans in Sicherheit wiegen, wenn er sich im Sommer verabschiedet. Der "Neue" - Julian Ward - ist im Club ein aufstrebendes Talent. Auch Jürgen Klopp will, dass sich niemand Sorgen macht.

"Julian und ich haben eng zusammengearbeitet," sagt er, "seit er für die Leihspieler zuständig war und in den letzten 12 Monaten noch intensiver in seiner erweiterten Rolle. Wir haben hier so viele brillante Leute, die alle zu dem beitragen, was wir erreicht haben, und ich bin zuversichtlich, dass wir uns als Club weiter entwickeln, vorankommen und verbessern werden."

Julian Ward wird es schaffen. Da bin ich mir als Fan sicher. Er erbt eine große Verantwortung und wird dieser bestimmt gerecht. Es sind Worte von Jürgen Klopp, die sich die Fans einprägen sollten. Vertraut auf das, was er euch sagt.

Denn der Liverpool FC braucht unsere Unterstützung. Und will nicht, dass man sich zu sehr Sorgen macht. Und das ist nobel. Wir sollen als Fans den Club supporten.

Es ist genauso nobel, wie der Moment bei der Meisterfeier, als Jürgen Klopp alle seine Mitarbeiter auf das Podium lud, um mitzufeiern. Michael Edwards zog es aber vor, sich im Hintergrund zu halten und Fotos zu machen. Stattdessen sorgte er dafür, dass der Mitarbeiter, der für die Trikots des Teams zuständig ist, ein Foto mit der begehrten Premier League-Trophäe bekommt.

Abschied hinter den Kulissen

 

 

So ist Michael Edwards. Ein Mann, von dem man wenig Fotos im Netz findet. Es ist auch der Grund, warum ihr hier in diesem Artikel so wenig Bilder von ihm findet. Ein Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht und nur jetzt, einmal ganz stark im Rampenlicht steht - mit 2000 eigen verfassten Worten.

Alle werden ihn vermissen. Das ist normal. Das spricht für ihn. Seine Qualitäten bleiben dem Club erhalten. Er wird mit seinem Weggang zu einer Club-Legende für mich. Einer Legende, die nie auf dem Platz gespielt und im Rampenlicht war. Eine Legende, die kaum genug Wertschätzung bekommen kann für das, was sie getan hat für den Klub. Wahrscheinlich stimmen andere Fans nicht mit diesem Begriff überein. Aber das ist egal. Ehre wem Ehre gebührt.

Wir Fans dürfen jetzt bis zum Sommer "trauern". Es bleibt genug Zeit, das Vermächtnis zu betrachten, zu loben und zu feiern, um am Ende Abschied zu nehmen. Wir Fans nehmen dann nur Abschied, um danach unser vollstes Vertrauen in die neuen Kollegen zu setzen. Das ist sein Abschiedsgeschenk an die Fans. Mehr, als man im Fußball eigentlich bekommt.

Dann verschwindet Michael im Hintergrund, so wie er es mag. Goodbye! Es wird alles gut, keine Sorge.


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