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Liverpool gegen Dortmund in der Europa League 2016 - Redmen Family Germany Liverpool Fans Deutschland
Photo credit: Getty Images

Liverpool - Dortmund 2016: Spektakulärste Spiel meiner Zeit als Liverpool-Fan!

Blog / Kolumne

  • Autor Redmen Family
    7 Monat(e) vor



"Es war das wohl spektakulärste Spiel meiner Zeit als Liverpool-Fan".

Das 4-3 gegen Borussia Dortmund ist in die Vereinsgeschichte eingegangen. Sven Ziegler erinnert sich.

Zugegeben, in meiner Zeit als Liverpool-Fan habe ich schon einige kuriose Spiele und sogar ganze Spielzeiten erlebt. Man erinnere sich nur an die schmerzhafte Saison 2013/14, als die Reds am letzten Spieltag den Meistertitel vergaben. Oder an das 5-4 gegen Norwich City, als Lallana in der 95. Minute den Siegtreffer erzielte und Christian Benteke im darauf folgenden Siegesjubel die Brille seines Trainers zerbrach. Doch keines dieser Spiele toppt den 14. April 2016.

Unter dem ehemaligen Trainer Brendan Rodgers konnte sich Liverpool für die Saison 2015/16 wieder für den europäischen Wettbewerb qualifizieren. Zwar reichte es der Mannschaft nicht bis in die Champions League, aber immerhin durfte das Team in der Europa League um Ruhm (und natürlich auch wichtiges Geld für die Transferkasse) mitspielen.

 

 

Die Reds wurden im Sommer 2016 in eine Gruppe mit Bordeaux aus Frankreich, Rubin Kazan aus Russland und dem schweizerischen Vertreter Sion gelost. Noch unter Rodgers holte Liverpool ein 1-1 gegen die Franzosen, gegen Sion reichte es zu Hause ebenfalls nur für ein 1-1. Das darauffolgende Merseyside-Derby endete ebenfalls Unentschieden, Rodgers wurde entlassen und es folgte Jürgen Klopp.

Für den ging es nach kurzer Zeit mit seiner neuen Mannschaft ebenfalls auf europäischer Bühne weiter. Trotz viel Ballbesitz holte man gegen Kasan zu Hause nur ein 1-1, bereits nach dem dritten Spieltag drohte den Reds damit das frühzeitige Aus. Erst am 5. November schaffte man gegen die Russen den ersten Sieg, auswärts, knapp mit 1-0. Ebenso knapp wurde Bordeaux zu Hause im Rückspiel bezwungen (2-1), damit war das Weiterkommen praktisch gesichert. Das 0-0 gegen Sion am letzten Spieltag auswärts war nur noch Nebensache, Klopp ließ praktisch eine B-Mannschaft auflaufen.

Über Manchester United zu Borussia Dortmund

 

 

Im Achtelfinale ging es dann mit einem echten Knaller weiter. North-West Derby! Liverpool wurde Manchester United zugelost und die Reds enttäuschten nicht. 2-0 bezwang man den verhassten Rivalen zu Hause, das 1-1 im Rückspiel reichte im Endeffekt locker für ein Weiterkommen ins Viertelfinale. Und wie hätte es anders sein sollen, auch dort wartete ein Knaller auf die Reds. Borussia Dortmund, der ehemalige Verein von Klopp, welcher sich mit einer Tordifferenz von 5-1 gegen Tottenham durchsetzen konnte.

 

 

Die Borussen waren unter ihrem neuen Trainer Thomas Tuchel berüchtigt für ihren taktischen Fussball geworden. Setzte man unter Klopp noch auf geballten Offensivfussball, analysierte Tuchel vor dem Spiel jeden Gegner stundenlang, suchte Schwächen und Stärken und schaltete so viele gegnerische Mannschaften effektiv aus. Entsprechend gespannt waren viele neutrale Fussballfans auf das Hinspiel, welches sowohl Liverpool als auch Borussia Dortmund primär offensiv angingen. Schwarz-Gelb erarbeitete sich im ersten Durchgang mehrere Chancen, welche von einer stark agierenden Innenverteidigung der Reds zunichte gemacht wurden. Sowohl Mamadou Sakho als auch Dejan Lovren zeigten sich im Signal-Iduna Park in Höchstform.

 

 

In der 36. Minute schlug Liverpool dann zu. Origi haute einen abgefälschten Schuss in das Netz, die Reds führten überraschend. Nach dem Seitenwechsel dauerte es allerdings nur drei Minuten, ehe Hummels die beiden Teams wieder auf Augenhöhe schoss. Liverpool agierte in der zweiten Halbzeit deutlich defensiver und erkämpfte sich so auswärts ein Unentschieden.

Mit dem 1-1 war klar, dass für beide Teams an der Anfield Road noch alles möglich ist. Beide Mannschaften setzten am Wochenende in der Meisterschaft nur auf ihre Ersatzleute, um möglichst viele Spieler fit zu halten.

 

 

Dortmund startete wie die Feuerwehr in die Partie, Liverpool schien vom Tempo der Gäste deutlich überfordert zu sein. Vor allem der neu hinzugekommene Kagawa sorgte für starke Bälle in die Spitze, Sakho und Lovren zeigten bereits in den ersten Sekunden massive Probleme. Die Borussia nutzte die anfängliche Verwirrung und sorgte durch Mkhitaryan bereits in der fünften Minute für die Führung. Vier Minuten später erhöhte Aubameyang auf 2-0, für die Reds schien sich eine Katastrophe anzubahnen.

 

 

Auch für mich vor dem Fernseher war nach nicht einmal zehn Minuten bereits die Hölle los. Der Papa, leidenschaftlicher Borussia-Fan und Pflichtbesucher an diesem Abend, verzog kaum eine Miene. Das innere Grinsen war ihm jedoch deutlich anzusehen, ich hingegen wäre am liebsten im Boden verschwunden. Wo war nur das ach so mutige Liverpool, welches in den vergangenen Spielen so viel Herz in die Partien hineingesteckt hatte?

Die legendäre Nachspielzeit

Nach einer Viertelstunde kam Liverpool dann deutlich besser ins Spiel und auch erstmals zu Torchancen. Divock Origi, Alberto Moreno und Adam Lallana vergaben gleich mehrere Möglichkeiten auf klägliche Art. Der Willen war da, aber wo das nötige Glück?

 

 

Nach der Halbzeit startete Klopps Mannschaft wie ausgewechselt in das Spiel. Die Kabinenansprache des Deutschen schien es in sich zu haben, denn plötzlich schoss Liverpool auch Tore. Emre Can legte perfekt auf Origi, der Weidenfeller keine Chance ließ. 2-1, plötzlich lag wieder alles drin.  In der Folge wurde der BVB jedoch wieder aktiver und stellte keine zehn Minuten später durch Marco Reus den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her, das Halbfinale schien nun unendlich weit entfernt.

 

 

Erst ein Doppelwechsel auf Seiten der Reds brachte wieder frischen Wind in die Mannschaft. Daniel Sturridge und Joe Allen heizten dem Team wieder kräftig ein und Philippe Coutinho sorgte mit einem perfekten Schuss an Weidenfeller vorbei in der 66. Minute für das 2-3. 

Anfield wurde laut

 

 

Unvergessen bleibt, wie das Publikum an der Anfield Road auf diesen Treffer reagierte. Die Schockstarre wich einem krampfhaften Willen, das Unmögliche möglich zu machen, die Borussen wider allen Erwartungen doch noch aus dem Wettbewerb zu werfen. Und die Fans wurden nicht enttäuscht, Sakho erzielte nach einem Eckball das 3-3. Nur noch ein Tor.

Doch die Borussia mauerte, und die Reds zeigten einmal mehr viel Mühe mit einer tiefstehenden Mansnchaft. Doch schliesslich gelang es doch. 91. Minute. Dejan Lovren!

Und nicht nur an der Anfield Road, auch bei uns war plötzlich die Hölle los - aber auf der anderen Seite. Nach Milners Hereingabe stand ich, nach Lovrens Kopfball schrie ich. Und es war an den Borussen im Haus, den Kopf in den Händen zu vergraben. Wie konnte eine Mannschaft, welche vor einer halben Stunde noch mit einem Bein in der Runde der letzten vier Mannschaften stand, den Sieg so leichtfertig hergeben? Mir war das herzlich egal.

 

 

Doch Liverpool wäre nicht Liverpool, wenn es nicht noch einmal gefährlich geworden wäre. In der 95. Minute rauschte ein Freistoss von Gündogan noch knapp am Pfosten vorbei. Und dann war Schluss.

Einmal mehr vollbrachte Liverpool etwas, was dreissig Minuten vorher kein Mensch zu träumen gewagt hätte. You'll Never Walk Alone schallte nach dem Schlusspfiff durch das Stadion und während die Fans des BVB mit geschockter Miene auf das Feld starrten, sangen die Fans aus voller Kehle.

 

 

Ehrenrunden und die Ära Klopp

Liverpool drehte in der Folge noch eine Ehrenrunde durch das Stadion. Mehrere Minuten lang blieben die Spieler und auch der Trainer noch auf dem Feld und feierten mit den Supportern den Einzug in die nächste Runde. Ich feierte auch. Zu Hause vor dem Fernseher. Und durfte beobachten, wie es Trainer Jürgen Klopp für einmal selbst kaum fassen konnte. Es waren die ersten offensichtlichen Schritten in einer neuen erfolgreichen Ära mit dem Boss. 

 

 








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