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Ian Rush, Craig Johnston und Sammy Lee nach dem Finalsieg gegen die AS Rom im Europapokal der Landesmeister 1984
Photo credit: Photo taken from Imago

Legendäre Spiele | AS Rom - Liverpool FC, 30.5.1984

Geschichte

  • Autor Richard Köppe
    1 Monat(e) vor



Im Hexenkessel von Rom holte sich Liverpool am 30. Mai 1984 gegen die heimische AS im Elfmeterschießen den vierten Europapokal der Landesmeister.

Zur Saison 1983/84 befand sich der Liverpool FC im Umbruch. Bob Paisley, der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte, ist zurückgetreten. Sein Co-Trainer Joe Fagan übernahm zum Start der neuen Spielzeit die Geschicke beim englischen Meister. Fagan hielt sich an dem Grundsatz "Never change a winning team" und fügte dem ehemaligen Kader vom Paisley kaum neue Spieler hinzu.

Der Plan ging auf: Fagan knüpfte nahtlos an die erfolgreiche Zeit seiner beiden Vorgänger an und gewann in seinem Debütjahr den League Cup und die englische Meisterschaft. Im Europapokal der Landesmeister setzten sich die Reds gegen Odense BK, Athletic Bilbao, Benfica Lissabon und Dinamo Bukarest durch. Nach dem Halbfinalsieg gegen die Rumänen stand Liverpool zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte im Finale des Europapokals der Landesmeister. Wie 1977 hieß der Finalort Rom und der Gegner war kein geringerer als der Lokalverein aus der italienischen Hauptstadt, AS Rom.

Neal überraschte den Favoriten AS Rom

Die Römer galten als Favorit für das Finale, allen voran weil Liverpools Spieler nach einem Vorbereitungsspiel in Israel ein heftiges Trinkgelage abhielten. Neben dem Heimvorteil besaß der AS Rom dazu eine starke Mannschaft: die Brasilianer Falcao und Cerezo im Mittelfeld. sowie das italienische Trio Conti, Pruzzo und Graziani im Sturm, welche alle auch Nationalspieler zu der Zeit waren.

Vielleicht fühlten sich die Italiener auch zu sicher und unterschätzten die Gefahren, die erfahrene Größen wie Dalglish, Rush, Hansen und Souness darstellten. Nach 15 Minuten behielt Phil Neal nach einer Johnston-Flanke im Strafraumchaos die Übersicht und brachte aus sechs Metern Liverpool überraschend in der ewigen Stadt in Führung. Der Veteran Neal verteidigte aber kurz vor dem Halbzeitpfiff nicht konsequent genug gegen Conti. Dessen Flanke fand Pruzzo im Strafraum, der elegant an Bruce Grobbelaar im Tor der Reds vorbeiköpfte.

Der Ausgleich brachte das Stadio Olimpico zum Beben. Die Italiener sorgten für eine hitzige Atmosphäre im Stadion, vor der sich selbst die Liverpool-Spieler beeinflussen ließen. „Obwohl das Stadion kein Dach hatte haben die Roma-Fans so einen unglaublichen Krach gemacht. Die hatten auch alle so Klappen bekommen um laut zu sein. Ich hatte zwischenzeitlich Ohrenschmerzen", sagte Neal im Nachhinein.

Grobbelaar und seine wackligen Beine

Leider ging es im weiteren Verlauf des Spiels nicht so dramatisch zu wie auf den Rängen. Es fielen keine weiteren Tore in der zweiten Halbzeit und auch in der Verlängerung gelang keinem der beiden Teams der erlösende Durchbruch. So kam es nach 120 gespielten Minuten zum Elfmeterschießen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Europapokals der Landesmeister sollte ein Finale durch diesen Modus entschieden werden. Fagan hatte die Mannschaft in den Trainingseinheiten vor dem Spiel nicht im Elfmeterschießen trainiert, da er es für ein Lotteriespiel hielt, auf das es sich nicht vorbereiten ließe.

Der AS Rom strotzte vor dem Elfmeterschießen vor Selbstbewusstsein. Schließlich hatte Keeper Franco Tancredi den Ruf als bester Elfmeterkiller in Italien. „Vor dem Elfmeterschießen fing Conti an, frech mit dem Ball herumzutanzen – er sah übermotiviert aus“, erinnerte sich Liverpoolkeeper Bruce Grobbelaar und fasste einen Entschluss: „Wenn er sich so frech und arrogant verhält, dann tue ich das auch“. Nachdem Steve Nicol Liverpools ersten Elfmeter verschoss und Di Bartolomei und Neal im Anschluss verwandelten, kam es zum Duell zwischen Grobbelaar und Conti. Der extravagante Torhüter aus Zimbabwe bat Conti zum Tanz und dieser verschoss, ähnlich wie Nicol. So war dass Spiel wieder ausgeglichen.

Nachdem Souness, Righetti und Rush die darauffolgenden Strafstöße verwandelten, war Francesco Graziani der nächste Schütze für die Roma. Grobbelaars großer Auftritt folgte: „Er [Graziani] hatte seinen Arm um den Schiedsrichter gelegt und das mochte ich nicht. Ich dachte mir darauf, dass Netz sieht aus wie eine Schüssel Spaghetti und fing an reinzubeißen", erinnerte sich Grobbelaar zurück. Danach wackelte er wild mit den Beinen umher, um Graziani zu verunsichern. Dies sollte als die „Wobbly Legs“ in die Geschichte eingehen; ein Psychospiel, das auch im Champions League Finale 2005 von LFC-Keeper Dudek imitiert werden sollte. Graziani trat an und schoss, wie Conti, ebenfalls über das Tor.

Kennedy schießt Liverpool zum vierten Triumph

Alan Kennedy, Siegtorschütze im Finale 1981 gegen Real Madrid, konnte mit einem Treffer den Henkelpott nach drei Jahren an die Merseyside zurückbringen. Der Außenverteidiger behielt die Nerven und schlug Tancredi vom Elfmeterpunkt - zum vierten Mal hieß der Champion Liverpool FC!

Der Finalsieg wurde am Ende von gewalttätigen Attacken der Roma-Fans auf die LFC-Anhänger überschattet, weswegen die große Siegerparty am Ende dann in Liverpool stieg. Für Fagan war es eine Debütsaison nach Maß. Durch den Erfolg in Rom ist er der erste britische Trainer, der es geschafft hat, drei Pokale innerhalb einer Saison zu gewinnen. Auch in seiner nächsten Saison führte er die Reds ins Finale des Europapokals. Doch nach der Heysel-Katastrophe, bei der 39 Fans ums Leben kamen, trat Fagan nach nur zwei Jahren im Amt als Liverpooltrainer zurück.

Liverpool FC: Grobbelaar; Neal, Lawrenson, Hansen, A. Kennedy, Whelan, Lee, Souness, R. Kennedy, Johnston (73. Nicol), Dalglish (95. Robinson)








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