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Drei Angeklagte im Hillsborough-Prozess kamen ohne Strafe davon.
Photo credit: Paul Thomas/Sportimage via Imago

Hillsborough: Gericht stellt Verfahren gegen Polizisten ein

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  • Autor Richard Köppe
    24 Tage vor



Das Gericht hat den Prozess gegen zwei ehemalige Polizisten und eines Ex-Anwaltes im Fall Hillsborough eingestellt.

Chief Superintendent Donald Denton, Kriminalermittler Alan Foster und Peter Metcalf, ehemaliger Anwalt der South Yorkshire Police wurden 2017 angeklagt, bei den Ermittlungen der Schuldigen an der Hillsborough-Katastrophe falsche Behauptungen aufgestellt zu haben, um die Schuld der South Yorkshire Police am Tod er 96 Fans im Hillsborough-Stadion in Sheffield am 15. April 1989 zu vertuschen.

Taylor-Untersuchung war keine öffentliche Ermittlung

Nach vier Jahren hat das Gericht nun den Prozess gegen die drei Angeklagten mit sofortiger Wirkung eingestellt. Der Richter William Davis entschied, dass es für die Angeklagten keinen Fall gibt, vor dem sie sich verantworten müssen. Der Richter erklärt dies mit der Tatsache, dass die damalige Untersuchung von Lord Justice Taylor zur Hillsborough-Katastrophe keine öffentliche Ermittlung war, bei der Beweise unter Eid abgegeben werden müssen. Laut Davis fällt der Fall deswegen nicht unter dem Kurs der öffentlichen Justiz.

"Die Taylor-Untersuchung war nicht der Kurs der öffentlichen Justiz. Was auch immer die Auswirkungen von [Metcalfs] Handlungen in Bezug auf diesen Prozess sind und welches Element der Schuld auch immer von seiner Seite vorhanden sein mag, es könnte nicht die Straftat darstellen, die ihm zur Last gelegt wird", gab der Richter bekannt. Der Crown Prosecution Service, die Strafverfolgungsbehörde die Denton, Foster und Metcalf anklagte, wird nicht gegen das Urteil des Gerichtes vorgehen.

Familien klagen über kaputtes Justizsystem

Das Urteil ist 32 Jahre nach der Katastrophe ein gewaltiger Schlag ins Gesicht für die Hinterbliebenen der 96 Opfer. Christine Burke, die ihren Vater in Hillsborough verlor, zeigte sich entsetzt von der Entscheidung des Richters. "Es wurde festgestellt, dass 96 Menschen nach einem kriminellen Standard rechtswidrig getötet wurden. Ich möchte, dass ihr mir sagt, wer für den Tod meines Vaters und der 95 anderen Menschen verantwortlich ist", sagte Burke. Zusätzlich kritisierte sie das britische Rechtssystem aufs Schärfste: "Ich denke, das Justizsystem ist kaputt. Es ist eine Schande."

Margaret Aspinall, ehemalige Vorsitzender der Hillsborough Family Support Group und Mutter des damals 18-jährigen Opfers James Aspinall, beschrieb das Verfahren als eine Schande. "Es ist die Vertuschung der Vertuschung der Vertuschung. Unsere Liebsten gingen zu einem Fußballspiel und wurden getötet, dann wurden sie und die Überlebenden als Hooligans gebrandmarkt, und wir haben einen 32-jährigen legalen Albtraum durchgemacht, in dem wir nach der Wahrheit und Rechenschaftspflicht gesucht haben", sagte Aspinall. "Jetzt heißt es, dass die Polizei Aussagen ändern und Taylor vertuschen durfte. Das Rechtssystem in diesem Land muss sich wirklich ändern."

Angeklagte kommen fast ohne Verurteilung davon

Die Hillsborough-Tragödie vom 15. April 1989 ist das schwärzeste Kapitel in der Geschichte des englischen Fußballs. 96 Liverpool-Fans starben in einer Massenpanik auf den Stehplatzblocks während dem FA Cup-Halbfinale im Hillsborough-Stadion von Sheffield Wednesday. Jahrelang wurden die Fans des Liverpool FC als die Schuldigen der Katastrophe angeprangert. Nach jahrelangem Kampf der Familien und Freunden der Hinterbliebenen urteilte 2016 eine unabhängige Jury, dass die Fans keine Schuld an der Katastrophe tragen.

Nach dem Urteil der Jury begannen die Prozesse gegen die South Yorkshire Police und die Verantwortlichen bei Sheffield Wednesday, die Beweise vertuschten, Hilfeleistungen vor Ort unterlassen haben und die Schuld den Fußballfans zuschoben. Sechs Männer, darunter Denton, Foster und Metcalf, wurden 2017 angeklagt. Fast alle kamen ohne Strafe davon, darunter auch der damalige Chief Superintendent David Duckenfield. Nur der ehemalige Sekretär von Sheffield Wednesday, Graham Mackrell, wurde aufgrund eines Sicherheitsverstoßes für schuldig gesprochen und musste eine Strafe in Höhe von 6.500 Pfund zahlen.


Urteil gegen Duckenfield und Mackrell wurde verkündet

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Das Urteil ist ein skandalöses Ende für diejenigen, die seit der Katastrophe für die Unschuld der Fans und der gerechten Verurteilung der Schuldigen gekämpft haben.

 





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