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Das Hillsborough Memorial in Anfield
Photo credit: xPeterxByrnex 59184603 via Imago

Hillsborough-Betroffene erhalten Schmerzensgeld für Polizei-Vertuschung

News

  • Autor Robin Wittwer
    10 Tage vor



32 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe bekommen die Überlebenden und Hinterbliebenen der 96 Todesopfer eine finanzielle Kompensation.

601 Betroffene erhalten wegen der erlittenen psychischen Schäden während dem drei Jahrzehnte andauerndem Kampf für Gerechtigkeit eine finanzielle Kompensation. Die South Yorkshire Police (SYP) sowie die West Midlands Police (WMP) stimmten den Zahlungen an die Betroffenen Familien zu.

Dies kommt nur wenige Tage nachdem zwei Polizisten und ein Rechtsanwalt für Falschaussagen über die Tragödie freigesprochen wurden. Mit ihren Aussagen versuchten sie, die Schuld an der Tragödie den Liverpool-Fans zuzuschieben. Mittlerweile ist aber eindeutig geklärt, dass die Liverpool-Fans keine Schuld an ihrem eigenen Tod hatten. Somit wurde noch keine einzige Person für die Geschehnisse vom 15. April 1989 zur Verantwortung gezogen, obwohl im Jahr 2016 eine zweijährige Untersuchung zum Schluss kam, dass die 96 Todesopfer rechtswidrig durch grobe Fahrlässigkeit getötet worden waren (unlawfully killed).

I don't really have much to say about the "settlements" tbh other than they're insulting and the process has been so humiliating, having to justify your own mental torture.
Our legal teams have been amazing throughout though.
And for the record nothing is settled nor been paid.

— Charl JFT96 Hennessy (@charlhennessy1) June 4, 2021

Formelle Lücke verhalf Polizisten zur Freisprechung

Die zwei Polizisten und der Rechtsanwalt wurden nur wegen einer Lücke im Rechtssystem freigesprochen. Die damalige Untersuchung von Lord Justice Taylor 1989 über die Tragödie war keine öffentliche Ermittlung und somit standen die befragten Personen nicht unter Eid, die Wahrheit zu sagen. Taylor wurde damals beauftragt, die Hillsborough-Tragödie zu untersuchen und befragte dazu auch die beschuldigten Polizisten.

 

 

Der ursprüngliche zivilrechtliche Prozess gegen die Polizisten und dem Rechtsanwalt begann 2015 wegen Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt - also dem Versuch, zu vertuschen, was damals wirklich geschah. Den Hinterbliebenen der Opfer bleibt also auch 32 Jahre nach Hillsborough nur eine finanzielle Entschädigung, obwohl klar ist, dass die Polizisten die Geschehnisse zu ihren Gunsten dargestellt hatten. Durch diese Vertuschung der Wahrheit über Hillsborough litten die Hinterbliebenen an immensen psychischen Lasten. Auch heute noch ist diese tiefe Narbe der Ungerechtigkeit tief in den Familien verankert.

"Handlungen der Polizei führten zum Tod der Fans"

Das die Hinterbliebenen Schmerzensgeld erhalten, ist zu begrüßen. Mit dieser Kompensation gesteht die South Yorkshire Police und die West Midlands Police aber praktisch ein, die Wahrheit über Hillsborough vertuscht zu haben. Nur durch eine Lücke im britischen Recht kam es zu keiner Verurteilung.

Die SYP selbst erkennt heute ihr Versagen am fatalen Tag im April 1989 und während den nachfolgenden Untersuchungen an. Lauren Poultney, stellvertretende Polizeipräsidentin der SYP, gab zu Protokoll:

 

 

„Die Handlungen [der Polizei] am Tag der Tragödie führten zum Tod und Verletzungen von Fans. Gleichzeitig verursachten die Versäumnisse [der Polizei] bei den Opfern und deren Familien riesige Not, Leiden und Schmerz.“

Diese Anerkennung mehr als drei Jahrzehnte nach Hillsborough hat allerdings nur geringen Wert. Hätten die Polizisten von Gesetzes wegen bei den Untersuchungen die Wahrheit sagen müssen, hätten sie wahrscheinlich zur Verantwortung gezogen werden können.

Ein Kuhhandel mit der Schuld - kommt ein Hillsborough-Gesetz?

Daraus einhergehend werden Forderungen zu einem 'Hillsborough-Gesetz' laut. Dies würde festlegen, dass öffentliche Behörden bei Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Anhörungen proaktiv die Wahrheit sagen müssen. Zudem soll mit diesem neuen Gesetz sichergestellt werden, dass Ankläger gegen öffentliche Behörden die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekämen. Die Hinterbliebenen der Hillsborough-Opfer hatten immer wieder Mühe, sich Anwälte leisten zu können. Derzeit ist ein Entwurf des Gesetzes in Boris Johnsons Regierung hängig.

 

 


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Kein Geld der Welt kann den Schmerz der Hinterbliebenen ungeschehen machen. Die Einführung eines Hillsborough-Gesetzes wäre aber immerhin ein bleibendes Vermächtnis einer Tragödie, für die wahrscheinlich nie jemand zur Verantwortung gezogen wird. Gegenwärtig wird zudem abermals klar, dass die wahre Geschichte über Hillsborough immer wieder erzählt werden muss, denn es gibt noch immer genügend Leute, welche die Wahrheit allzu gerne vertuschen würden.





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