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Photo credit: Michael Regan/Getty Images

Gegneranalyse: Manchester City

Analyse

  • Autor Lukas Heigl
    8 Tage vor



Am Sonntag reist Manchester City zum absoluten Spitzenspiel zum Liverpool FC. Wie das Team von Pep Guardiola für das Spiel vorbereitet ist, versuchen wir im folgenden zu eruieren.

Die Breite des Kaders ist bemerkenswert, selbst die Ersatzelf könnte wohl in England um die Champions League mitspielen. Dies relativiert sich allerdings aufgrund zahlreicher Verletzungen.

Kader: Die Breite verstärkt

Diese Kaderbreite stellte man unter anderem diesen Sommer her. In der Abwehr kamen mit Angelino und Joao Cancelo zwei neue Außenverteidiger. Dazu kam mit Rodri ein defensiver Mittelfeldspieler aus Madrid, den viele vor der Saison als Königstransfer gewertet haben.

Der einzige kaderrelevante Abgang im Sommer war der von Vincent Kompany. Der ehemalige Kapitän ging zurück in die Heimat nach Belgien.

Trainer: Pep Guardiola – Genie mit Macken

Als Spieler wurde er sehr stark von seinem ersten Trainer Johan Cruyff geprägt. Dessen Spielideen übernahm er dann auch als Trainer. Mit Kurzpassspiel in Perfektion mit teilweise 50 Pässen am Stück, ohne dass der Gegner am Ball war, sollte der Gegner so lange müde gespielt werden, bis sich eine Lücke auftut. Dies funktionierte in Barcelona so gut, dass das Barcelona unter Guardiola durchaus als das beste Team aller Zeiten bezeichnet werden kann. Auch bei Manchester City hat er diese Spielweise nahezu perfektioniert, nicht umsonst holte man in den letzten beiden Saisons zusammen 198 Punkte in der Premier League.

Allerdings gibt es auch an Guardiola durchaus Dinge, die man kritisieren kann. Beispielsweise versucht er in großen Spielen oft, etwas ganz besonderes, innovatives zu machen, was seinen Mannschaften regelmäßig den Erfolg in der Champions League kostet. Auch kann er es oft nicht lassen, vor wichtigen Spielen zu versuchen, psychologischen Einfluss auf den Gegner oder den Schiedsrichter zu nehmen. So hat er sich auch diese Woche wieder zu einer negativen Aussage über Sadio Mane hinreißen lassen.

System: Die Frage ist nicht wie, sondern wer

Wie Manchester City spielt, wissen wir inzwischen wohl alle. Man führt auch diese Saison wieder die Liga in Sachen Ballbesitz, Pässen, Schüssen und Toren an, dies alles aus der Grundordnung des 4-3-3. Als dies ist nichts neues.

Die Frage ist viel mehr, wer am Sonntag spielen wird:

In der Innenverteidigung fällt mit Aymeric Laporte der Abwehrchef aus. Hier ist nun die Frage, ob Guardiola Nicolas Otamendi genug vertraut. Otamendi wäre bei vielen Mannschaften ein überragender Innenverteidiger. Bei den Skyblues allerdings wird ihm dadurch, dass die Verteidigung sehr hoch steht und diese viele Ballkontakte haben, viel seiner Stärke genommen, da er weder schnell noch technisch stark ist.

Die Alternativen zu Otamendi wären Kyle Walker und Fernandinho. Beides sind positionsfremde Spieler. Dass Kyle Walker in der Innenverteidigung spielt ist äußerst unrealistisch. Er hat dies zwar bei der Weltmeisterschaft 2018 für England getan, allerdings hat ihn Guardiola noch nie auf dieser Position eingesetzt. Fernandinho hingegen hat in dieser Saison bereits regelmäßig in der Innenverteidigung ausgeholfen. Da er hierbei allerdings keine recht viel bessere Figur gemacht hat als Otamendi und Fernandinho durch den Ausfall von Rodri im zentralen defensiven Mittelfeld gebraucht wird, ist es am wahrscheinlichsten, dass Otamendi neben John Stones in der Innenverteidigung aufgeboten wird.

Auf der linken Verteidigerposition ist durch den Ausfall von Oleksandr Zinchenko ebenfalls ein Platz frei. Um diesen streiten sich der Neuzugang Angelino und Benjamin Mendy. Da Angelino ein deutlich saubereres Passspiel besitzt und besonnener agiert, sollte er den Vorzug bekommen.

Sollte Walker nicht in der Innenverteidigung aushelfen müssen, wird er auf der rechten Position in der Viererkette auflaufen, auch, da Cancelo sich bisher noch nicht wirklich in Manchester akklimatisiert hat.

Im zentralen defensiven Mittelfeld wäre die Alternative zu Fernandinho Ilkay Gündogan. Da dieser allerdings defensiv nicht so stabil ist wie Fernandinho, ist es eher unwahrscheinlich, dass er diese Position einnehmen wird.

Dadurch kommt Gündogan für die Position des zweiten zentralen Mittelfeldspielers neben Kevin de Bruyne in Frage. Durch den Ausfall von David Silva ist hier eine Position frei, die Alternative zu Gündogan ist Bernardo Silva. Da allerdings davon auszugehen ist, dass Guardiola durch die Ausfälle eher auf Kompaktheit als auf Offensive setzen wird, dürfte Gündogan hier die Nase vorne haben.

Bernardo Silva wird wohl auch so in der Startelf stehen, da er die Position des rechten Flügelspielers mindestens genauso gut bekleiden kann. Hier wäre auch Riyad Mahrez eine Option, der Algerier ist allerdings in der Defensivarbeit nicht auf dem Niveau von Silva, was gegen Andrew Robertson den Ausschlag zugunsten Silvas geben dürfte.

Form: Spielerisch den Ansprüchen hinterher

In der Champions League bereits jetzt so gut wie für das Achtelfinale qualifiziert, in der Liga die letzten drei Spiele gewonnen, im Pokal im Viertelfinale. Man könnte meinen, dass City sich allmählich eingroovt.

Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Zwar stimmten zuletzt die Ergebnisse, spielerisch ist das allerdings weit von dem entfernt, was man sich vorstellt. Nehmen wir als Beispiel das Premier-League-Spiel gegen Southampton am letzten Wochenende. 75% Ballbesitz, 26 Schüsse, 17 Ecken, 62 (!) Flanken, allerdings erst weit in der zweiten Halbzeit der erste Schuss auf das gegnerische Tor. Man hat also augenscheinlich ein Problem damit, massive Abwehrreihen zu bespielen. Das in Kombination mit der durchaus löchrigen Defensive (nur zwei der letzten sieben Spiele stand die Null) sprechen nicht gerade für eine sonderlich gute Form.

Player to watch: Ederson – Fußballerisch top, im Torwartspiel nur Durchschnitt

Mit diesem einen Satz kann man Ederson eigentlich perfekt beschreiben. Fußballerisch ist er der wohl beste Torwart aktuell. Dadurch schaltet er sich nicht nur immer wieder aktiv in den Spielaufbau ein, sondern fängt auch regelmäßig Konter bereits weit außerhalb des eigenen Strafraums ab.

Diese Stärke kann allerdings auch zur Schwäche werden, da er zu oft auch versucht, in brenzligen Situationen eine spielerische Lösung zu finden, was das ein oder andere mal schief geht.

Im Torwartspiel hat Ederson einige Schwächen. Im Eins gegen Eins ist er stark, aber vor allem in Sachen Strafraumbeherrschung und bei Fernschüssen ist er nicht der sicherste. Das dürfte Liverpool durchaus zugute kommen, da man vor allem über Flanken und mit Alex Oxlade-Chamberlain auch wieder über Fernschüsse gefährlich ist.

Sollte Ederson - wie von Guardiola auf der Pressekonferenz angekündigt - tatsächlich ausfallen, wird Claudio Bravo zwischen den Pfosten stehen. Dieser ist, was die Stärken und Schwächen angeht, Ederson sehr ähnlich. Daher wurde er damals auch vom FC Barcelona geholt. Allerdings ist er nicht auf dem Niveau von Ederson. Bravo ist eine absolute Wundertüte, in der Champions League unter der Woche hatte er einen fürchterlichen Auftritt inklusive Platzverweis, im Community Shield vor der Saison gegen Liverpool hielt er hingegen vor allem in der zweiten Hälfte überragend und war der Hauptgrund, warum Manchester City überhaupt das Elfmeterschießen erreichte.

Prognose:

Wenn nicht am Sonntag, wann dann. Wohl nie in den letzten zwei Jahren war die Möglichkeit, Manchester City zu schlagen größer als jetzt. Die Abwehr ist instabil, die Offensive wirkt ideenlos.

Dies in Kombination damit, dass Liverpool (quasi) den gesamten Kader zur Verfügung hat und Jürgen Klopp im Gegensatz zu Guardiola einigen Stammspielern eine Pause gönnte, Liverpool einen Tag länger Regeneration und keine Reisestrapazen hatte und dazu das Spiel noch in Anfield stattfindet, muss man zwingend auf die drei Punkte gehen.

Natürlich, mit einem Unentschieden hätte City die Meisterschaft nicht mehr in der eigenen Hand, allerdings ist es noch zu früh, um solche Gedankenspiele durchzuführen. Neun Punkte Vorsprung wären da schon ein anderes Brett.

 








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