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Photo credit: Clive Brunskill/Getty Images

Gegneranalyse: Leicester City FC

Analyse

  • Autor Lukas Heigl
    22 Monat(e) vor



Am Boxing Day reist der Liverpool FC zum Tabellenzweiten nach Leicester. Das Team von Brendan Rodgers spielt bisher eine starke Saison und ist auf dem besten Weg in die Champions League. Die Analyse der Redmen Family:

Dass Leicester City die großen Teams würde ärgern können, war bereits in der letzten Saison seit dem Amtsantritt von Rodgers absehbar. Wie gut sie aber wirklich sein können, sieht man in dieser Saison:

Da sich im Kader und auf der Trainerposition nichts verändert hat zum Hinspiel, wird hier auf die Analyse der Hinrunde verwiesen (https://www.redmenfamily.de/news/gegneranalyse-leicester-city).

Taktik: Ballbesitz gegen die Kleinen, Kontern gegen die Großen

Mit 54,5% Ballbesitz steht man hier auf Platz 4 in der Liga. Allerdings ist dieser Ballbesitz extrem ungleich verteilt. Gegen die Topteams hat man zumeist weniger Ballbesitz als der Gegner, während man die restlichen Teams zumeist dominiert. Bei der Passgenauigkeit sieht es ähnlich aus, auch hier steht man auf Platz fünf innerhalb der Liga.

Am letzten Samstag hat man wieder einmal das andere Leicester gesehen, das Pre-Rodgers-Leicester. Man stand tief und setzte auf Konter über Jamie Vardy. Eine ähnliche Taktik dürfte auch gegen Liverpool zum Einsatz kommen, da bereits im Hinspiel die normale Spielweise nicht angewandt wurde.

Dass diese Taktik deutlich seltener zum Erfolg führt wie ihre normale Taktik (siehe Form), liegt vor allem daran, dass die Abwehr offensiv und im Gegenpressing zu den besten der Liga gehört, im eigenen Drittel allerdings deutliche Schwächen offenbart. Lediglich Jonny Evans ist diese Art des Fußballs gewohnt und ist überdurchschnittlich gut, die anderen drei Spieler zeigen zu oft Anfälligkeiten im Stellungsspiel, wodurch immer wieder Lücken entstehen. Auch sind die beiden Außenverteidiger nicht gerade die besten, wenn es darum geht, wendige Spiele auf engen Raum zu verteidigen.

Form: Allmählich wieder in Normalform?

Dass es diese Saison richtig gut läuft, dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben. Man gewann vom 19. Oktober bis zum 8. Dezember acht Ligaspiele in Folge.

Zuletzt begann man allerdings etwas zu schwächeln. Gegen Norwich City gab es nur ein Unentschieden, im Pokal kam man erst im Elfmeterschießen gegen Everton FC weiter, und am Samstag folgte dann die Niederlage im Topspiel bei Manchester City.

Allgemein lässt sich feststellen, dass Leicester ähnliche Probleme hat wie Liverpool noch letzte Saison. Punkte werden eigentlich ausschließlich gegen Topteams abgegeben. Hat man gegen Topteams in sieben Spielen lediglich acht Punkte geholt, sind es gegen die anderen Teams der Liga in elf Spielen 31 Punkte. Das Unentschieden gegen Norwich war also das erste Spiel, das nicht gewonnen werden konnte.

Schlüsselspieler: James Maddison – Der kreativste Spieler der Liga?

Ob auf links außen, auf der 10 oder im zentralen Mittelfeld, überall sorgt Maddison dafür, dass Gefahr im letzten Drittel entsteht. Seit er 2018 in die Liga kam, hat kein Spieler mehr Großchancen kreiert als er. Dazu hat er immerhin elf Treffer selbst erzielt. Vor allem hervorzuheben ist seine Gefahr aus der Distanz, ob bei Freistößen oder aus dem Spiel. Er hat hierbei mit seinen erst 23 Jahren bereits ein erstaunlich gutes Gefühl dafür, wann er selbst den Abschluss suchen muss und wann er den Pass in die Tiefe spielen muss.

Diese Qualitäten haben ihm auch inzwischen eine Nominierung für die englische Nationalmannschaft gebracht. Dort hat man allerdings auch gesehen, dass er eben doch erst 23 Jahre alt ist. Als ihm der Trainer mitteilte, er würde nicht zum Einsatz kommen, meldete er sich krank, reiste ab und wurde in den folgenden Tagen im Casino gesehen.

Brendan Rodgers dürfte hier jedoch genau der richtige Trainer für ihn sein, der ihn auf Spur hält. Sollte das gelingen, dürfte Leicester und England noch viel Spaß an ihm haben. Gerüchte über einen möglichen Abgang im Sommer kursieren bereits um ihn, allerdings ist schwer vorstellbar, dass man ihn abgibt, wenn man sieht, wie sehr man um Harry Maguire gekämpft hat.

Weitere Schlüsselspieler:

Ben Chilwell – Der beste Linksverteidiger südlich von Liverpool?

Essenziell für das Spiel von Leicester City ist auch der Linksverteidiger. Vor allem im Spielaufbau läuft viel über seine Seite, da - anders als bei den meisten anderen Topteams - der defensive Mittelfeldspieler nicht zwischen die Innenverteidiger abkippt. Den Job des dritten Aufbauspielers übernimmt stattdessen Chilwell.

Defensiv ist er wie bereits beschrieben anfällig. Daher ist ein permanenter Druck auf ihn durchaus zu empfehlen.

Jamie Vardy: Wie guter Wein?

Vardy ist ein Phänomen. Erst mit 27 Jahren in die Liga gekommen, muss er sich vor den besten Torjägern Europas nicht verstecken. Im Gegenteil, seit der Ankunft Rodgers' kann man ihn mit Fug und Recht den besten Abschlussstürmer Europas nennen. In der Premier League hat jedenfalls kein anderer Spieler eine bessere Torausbeute, dazu hat er die beste Chancenverwertung der Liga und erzielt prozentual die meisten Treffer für sein Team.

Das in Kombination mit seiner immer noch unfassbaren Schnelligkeit macht ihn zu einem der besten Stürmer Europas. Mit Rodgers scheint er auch einen Trainer gefunden zu haben, der weiß, wie man ihn anpacken muss. Vardy hatte im Sommer mit 32 Jahren die besten Fitnesswerte seiner Karriere.

Prognose: Hoher Druck über außen, Vorsicht vor den Kontern

Die Schwäche in der Defensive sind eindeutig die Außenverteidiger. Weder Chilwell noch Ricardo Pereira sind es gewohnt, defensiv besonders viel arbeiten zu müssen. Hier sollte Liverpool immer wieder Lücken finden.

Auch dass Maddison inzwischen meist in der Zentrale eingesetzt wird, schadet der defensiven Stabilität, da er deutlich weniger defensiv arbeitet als die anderen Optionen für das zentrale Mittelfeld.

Aufpassen muss man vor allem auf Vardy`s Geschwindigkeit und auf Maddison`s Kreativität im letzten Drittel.








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