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Photo credit: Photo by Michael Regan/Getty Images

Gegneranalyse: Everton FC

Analyse

  • Autor Lukas Heigl
    12 Monat(e) vor



Analyse │ Am Samstag geht es für den Liverpool FC im Stadtderby in den Goodison Park zum Everton FC. Auf der anderen Seite des Stanley Park versucht man seit Jahren, die Topteams anzugreifen. In dieser Saison sieht es bisher so aus, dass dies tatsächlich klappen kann. Die Analyse der Redmen Family.

Bereits im letzten Jahr konnte man andeuten, welches Potential in der Mannschaft steckt. Nach einer schwachen Hinrunde konnte man sich in der Rückrunde deutlich steigern. In Phasen sah man wie ein richtiges Topteam aus. Dieser Weg sollte im Sommer weiter beschritten werden.

Das Mittelfeld als Schwachstelle erkannt

Im Sommer kamen einige namhafte Spieler. Der bekannteste dürfte ohne Zweifel James Rodriguez (29) sein. Der kolumbianische Kreativspieler kam ablösefrei von Real Madrid. Doch auch Allan (29), der aus Neapel kam, konnte sich in den letzten Jahren einen Namen im internationalen Spitzenfußball machen. Mit dem Franzosen Abdoulaye Doucouré (27) konnte man außerdem einen Spieler verpflichten, der beim Watford FC in den letzten Jahren starke Leistungen in der Premier League zeigte. Diese drei Spieler sind alles Mittelfeldspieler. Somit wurde die große Schwachstelle der letzten Saison erkannt. Dort gab es aus dem Mittelfeld weder Kreativität noch Dynamik. Auch einen Abräumer wie den Brasilianer Allan suchte man vergeblich.

Außerdem noch verpflichtet wurde mit Ben Godfrey (22) ein talentierter Innenverteidiger von Norwich City, wodurch man nun vier mehr als taugliche Innenverteidiger im Kader hat, die sich mit ihren Stärken gut ergänzen. Mit Robin Olsen (30) wurde am letzten Tag des Transferfensters noch ein Torwart vom AS Rom geliehen, der Jordan Pickford (26) Druck machen soll. Abgegeben wurde kein Stammspieler. Lediglich der Abgang des langjährigen Kapitäns Leighton Baines (35) schmerzte, vor allem auf emotionaler Ebene. Der Linksverteidiger beendete im Sommer seine Karriere.

Carlo Ancelotti - Großer Name, aber auch noch große Leistung?

Carlo Ancelotti ist einer der erfolgreichsten Trainer dieses Jahrtausends. Mit dem AC Milan prägte er eine Ära, mit dem Chelsea FC holte er das Double in England. Des Weiteren führte er Paris Saint-Germain zur Meisterschaft in Frankreich, mit Real Madrid holte er „La Décima“, den zehnten Champions-League-Titel, auf den man in Madrid so lange warten musste.

Doch seit seinem Abgang aus Madrid läuft es nicht mehr so. Mit dem FC Bayern München wurde er zwar Meister, allerdings waren das zu frühe Ausscheiden in Pokal und Champions League, der Stilbruch zu der Spielweise unter Pep Guardiola und das schlechte Verhältnis zur Mannschaft die Gründe dafür, dass er bereits nach etwas mehr als einem Jahr entlassen wurde.

Im Sommer 2018 übernahm er den SSC Neapel. Allerdings wurden ihm hier die gleichen Dinge wie in München zum Verhängnis, der Stilbruch zu seinem Vorgänger Maurizio Sarri war zu groß, dazu blieb der Erfolg aus und die Mannschaft wirkte nicht von seiner Spielidee begeistert. Am 22.12.2019 verschlug es ihn schließlich wieder nach England, wo er als Vertrauensbeweis direkt einen Vertrag bis 2024 bei den Toffees erhielt.

Offensive Außenverteidiger, inverse Flügel

In der letzten Saison spielte man unter Ancelotti hauptsächlich im 4-4-2. Das lag vor allem daran, dass man schlicht nicht genug fähige Mittelfeldspieler im Kader hatte. In dieser Saison stellte man das System auf ein 4-3-3 um, das in Phasen mehr wie ein 4-3-1-2 wirkt. Grund dafür ist, dass mit James ein eigentlich zentral offensiver Mittelfeldspieler den rechten Flügel besetzt und mit Richarlison (23) ein eigentlicher Mittelstürmer den linken Flügel. Da beide oft zentral zu finden sind, James hinter den Spitzen und Richarlison neben der eigentlich einzigen Spitze Dominic Calvert-Lewin (23), verändert sich das System entsprechend.

Die sehr zentral orientierten Außenspieler kommen auch den beiden Außenverteidigern zu Gute. Vor allem Linksverteidiger Lucas Digne (27) hat seine Stärken ganz klar in der Offensive, aber auch sein Pendant auf der rechten Seite, Kapitän Seamus Coleman (31), ist um Ausflüge in das gegnerische Drittel nicht verlegen.

Defensiv lässt man sich relativ weit zurückfallen, die Offensivspieler sind nicht gerade für ihr ausgeprägtes Pressing bekannt, auch wenn die Arbeit gegen den Ball vor allem bei James diese Saison deutlich besser ist als sein Ruf. Ansonsten versucht man, den Gegner auf die Außen zu drängen und zu Flanken zu verleiten. Mit Yerry Mina (26) und Michael Keane (27) stehen dann in der Innenverteidigung zwei extrem kopfballstarke Innenverteidiger bereit, um die Flanken allesamt zu klären. Da die offensive Strategie von Liverpool stark auf genau solchen Flanken beruht, dürften wir uns diesbezüglich auf ein wahres Festival „freuen“.

Player to watch: Abdoulaye Doucouré - Das fehlende Puzzlestück

Der Neuzugang vom Absteiger Watford FC war bereits seit einiger Zeit bei den Toffees im Gespräch. Im Sommer 2019 und auch im Winter 2019/20 waren allerdings die Ablöseforderungen zu hoch, Everton wollte oder konnte diese nicht erfüllen. Durch den Abstieg sanken die Forderungen und Everton konnte den Franzosen für relativ preiswerte 26 Millionen Euro verpflichten.

Doucoure ist der perfekte Box-to-Box-Spieler. Durch seine Dynamik und seinen Zug zum gegnerischen Tor sorgt er immer wieder für gefährliche Situationen, bei Watford lief er letzte Saison deshalb auch regelmäßig als offensiver Mittelfeldspieler auf. Seine Ausbildung bei Stade Rennes absolvierte er ebenfalls auf dieser Position. Ob seiner starken Zweikampfführung kam er bei Watford vor allem 2017 und 2018 auch regelmäßig im defensiven Mittelfeld zum Einsatz. Bei Everton bringt er mit der Dynamik genau das mit, was dem Mittelfeld zuvor komplett fehlte. Keiner der anderen Mittelfeldspieler bringt dieses Element mit.

Perfekt gestartet

Besser hätte man sich den Start nicht wünschen können. Nach vier Spielen steht man mit der perfekten Punkteausbeute da. Dabei glänzt man vor allem offensiv mit attraktivem Spiel und vielen Toren (bereits zwölf Tore, im Schnitt drei pro Partie). Aber auch defensiv ist man zumeist da, wenn man gefordert wird. Vor allem am ersten Spieltag beim 1:0-Erfolg gegen die Tottenham Hotspur beeindruckte die Souveränität, mit der man das Ergebnis am Ende verwaltete.

Prognose

Everton wird nicht - wie zuletzt oft passiert - nur versuchen, dem LFC das Leben durch gute Arbeit gegen den Ball so schwer wie möglich zu machen, sondern die Toffees haben inzwischen eine eigene, offensive Identität. Diese zeigen sie auch gegen die großen Mannschaften, so war man gegen die Spurs über weite Strecken das bessere Team. Vor allem die zentral agierenden Flügelspieler und die offensiven Außenverteidiger sind zu beachten. Aber auch das zentrale Mittelfeld um Doucoure kann im Gegensatz zu den letzten Jahren die Abwehr schnell in Probleme bringen, sollte die Absicherung nicht stimmen.








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