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Photo credit: Laurence Griffiths/Getty Images

Gegneranalyse: Everton FC

Analyse

  • Autor Lukas Heigl
    5 Monat(e) vor



Zum Premier League-Neustart trifft der Liverpool FC auf den Stadtrivalen Everton FC, die ihren eigenen Aspirationen hinterherjagen. Am Sonntag geht es für den Liverpool FC ein mal quer durch den Stanley Park in den Goodison Park zum Everton FC. Der blaue Stadtrivale versucht seit Jahren, die Topteams anzugreifen. In dieser Saison werden die Voraussetzungen geschaffen, dass dies in naher Zukunft klappen kann. Die Analyse der Redmen Family:

Kadertechnisch hat sich bei den Toffees nichts getan. André Gomes, der im Hinspiel und auch bei der Begegnung im FA-Cup verletzt war und ein zentraler Spieler ist, fehlt wegen der fünften gelben Karte, die er sich im letzten Spiel abgeholt hat.

Trainer: Carlo Ancelotti - Großer Name, aber auch noch große Leistung?

Carlo Ancelotti ist einer der erfolgreichsten Trainer dieses Jahrtausends. Mit dem AC Milan prägte er eine Ära, mit dem Chelsea FC holte er das Double in England. Des Weiteren führte er Paris Saint-Germain zur Meisterschaft in Frankreich, mit Real Madrid holte er „La Décima“, den zehnten Champions-League-Titel, auf den man in Madrid so lange warten musste.

Doch seit seinem Abgang aus Madrid läuft es nicht mehr so. Mit dem FC Bayern München wurde er zwar Meister, allerdings waren das zu frühe Ausscheiden in Pokal und Champions League, der Stilbruch zu der Spielweise unter Pep Guardiola und das schlechte Verhältnis zur Mannschaft die Gründe dafür, dass er bereits nach etwas mehr als einem Jahr entlassen wurde.

Im Sommer 2018 übernahm er den SSC Neapel. Allerdings wurden ihm hier die gleichen Dinge wie in München zum Verhängnis, der Stilbruch zu seinem Vorgänger Maurizio Sarri war zu groß, dazu blieb der Erfolg aus und die Mannschaft wirkte nicht von seiner Spielidee begeistert. Am 22.12.2019 verschlug es ihn schließlich wieder nach England, wo er als Vertrauensbeweis direkt einen Vertrag bis 2024 bei den Toffees erhielt.

Taktik: Offensive Außenverteidiger, Absicherung im Zentrum

Ancelottis Lieblingssystem ist ganz klar das 4-4-2. Nachdem er anfangs noch mit einer Dreierkette experimentiert hat, spielt Everton unter ihm seit nunmehr acht Spielen immer dieses System.

Da dies mit Neapel in der Champions League gegen Liverpool in den beiden letzten Jahren sehr gut funktioniert hat (Zwei Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage in vier Spielen), ist davon auszugehen, dass es auch am Sonntag zur Anwendung kommt.

Dabei sind die beiden zentralen Mittelfeldspieler - ähnlich wie bei Liverpool - hauptsächlich dafür zuständig, den Innenverteidigern im Spielaufbau zu helfen und die beiden Außenverteidiger abzusichern. Selbst in den Angriff schalten sie sich nur selten ein, was man auch daran sieht, dass nicht einmal sieben Prozent der Abschlüsse des Teams von zentralen Mittelfeldspielern stammen. Da mit Fabian Delph und Jean-Philippe Gbamin neben Gomes noch zwei weitere Mittelfeldspieler verletzungsbedingt wohl fehlen werden, dürften Tom Davies und Morgan Schneiderlin am Sonntag beginnen.

Bei den Außenverteidigern ist vor allem Lucas Digne auf der linken Seite sehr offensivfreudig. Er schlägt ligaweit nach Trent Alexander-Arnold die meisten Flanken und schließt auch immer wieder selbst ab. Im Sturm ist die Aufgabenteilung auch klar. Dominic Calvert-Lewin wartet im Zentrum auf Bälle, während sich Richarlison immer wieder fallen lässt oder auf die Außen ausweicht. Dadurch ist er sehr schwer zu greifen. Mit seiner Technik, Geschwindigkeit und Robustheit öffnet er dadurch immer wieder Räume.

Defensiv steht man kompakt mit zwei Ketten. Richarlison nimmt sich öfter Pausen in der Arbeit gegen den Ball, während Calvert-Lewin hier deutlich aktiver ist und die Innenverteidiger stark unter Druck setzt.

Sehr stark ist Everton bei Standards, vor allem durch Calvert-Lewin und Richarlison, die beide in den Top fünf der Kopfballtorschützen in der Liga zu finden sind. Auch Yerry Mina ist, so er denn rechtzeitig fit wird, bei Standards immer wieder ein Unruheherd, vor allem, da man mit Digne und Gylfi Sigurdsson über zwei exzellente Standardschützen verfügt.

Kaum Gefahr entwickelt Everton hingegen von außerhalb des Strafraums. Erst ein Tor gelang von dort, einen Freistoß direkt verwandeln konnte man noch überhaupt nicht.

Player to watch: Dominic Calvert-Lewin - Torjäger und bald Nationalspieler?

Calvert-Lewin ist ein klassischer Torjäger. Das sieht man daran, dass er in dieser Saison bereits 13 Treffer erzielt hat und erst eine Vorlage gegeben hat. Er sucht also lieber selbst den Abschluss, als den Mitspieler einzubinden. Er bringt alles mit, was man als Mittelstürmer haben muss. Er ist schnell, groß, kann sich im Zweikampf behaupten und ist im Abschluss sehr flexibel. Seine Treffer verteilen sich ziemlich gerecht auf den rechten Fuß (sechs), den linken Fuß (drei) und den Kopf (vier).

Woran er noch arbeiten muss, ist seine Effektivität. Diese Saison vergibt er noch mehr Großchancen, als er Treffer markiert. Auch in Sachen Disziplin muss er noch erfahrener werden. Zwar ist sein Anlaufverhalten vorbildlich, allerdings begeht er zu oft unnötige Foul und hat auch bereits sieben gelbe Karten gesammelt. Doch diese beiden Baustellen werden mit der Erfahrung in den nächsten Jahren sicherlich noch verbessert werden können.

Über kurz oder lang wird sein Weg auch in die englische Nationalmannschaft führen. Womöglich wird er bereits bei der Europameisterschaft im Sommer 2021 zum Kader gehören. Eigentlich ist England im Sturm gut und breit genug aufgestellt, allerdings könnte er davon profitieren, dass Gareth Southgate ein Freund davon ist, jungen Spielern eine Chance zu geben. Bisher wurde er zwar noch nicht berufen, dies sollte allerdings nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Form: Der Kampf um Europa war nur kurz

Der Start von Ancelotti war durchaus vielversprechend. Aus den ersten elf Spielen konnte man 22 Punkte holen. So robbte man sich immer weiter nach oben in der Tabelle, aus Platz 18 bei Amtsantritt wurde Platz neun mit nur noch fünf Punkten Rückstand auf Platz vier. Die Tatsache, dass man in dieser Zeit auf den Chelsea FC, die eben jenen vierten Platz inne hatten, ganze zehn Punkte aufholen konnte, ließ einige Fans im blauen Teil Liverpools von der Champions League träumen.

Doch dann kam die Ernüchterung, aus den letzten drei Spielen konnte nur ein Punkt geholt werden. Dadurch hat man nun wieder elf Punkte Rückstand auf Platz vier, und auch die Europa League scheint mit sechs Punkten Rückstand unrealistisch.

Prognose:

Everton wird alles dafür tun, die Meisterschaft von Liverpool noch ein Stück weit hinauszuzögern. Das dürfte in einer sehr intensiven, aggressiven Spielweise münden.

Es dürfte hierbei ein deutlicher Vorteil für Liverpool sein, dass das Spiel aufgrund des Corona-Virus ohne Zuschauer stattfinden wird. Everton ist in dieser Saison sehr heimstark. So haben sie mehr als zwei Drittel ihrer Punkte (25 von 37) im Goodison Park geholt.








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