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(Photo by Tim Keeton - Pool/Getty Images)
Photo credit: (Photo by Tim Keeton - Pool/Getty Images)

Gegneranalyse: Brighton & Hove Albion

Analyse

  • Autor Lukas Heigl
    2 Monat(e) vor



Analyse │ Am Samstag reist der Liverpool FC am zehnten Spieltag der Premier League nach Südengland zu Brighton & Hove Albion. Die Analyse der Redmen Family.

Das Spiel am Samstagmittag bedeutet für Liverpool auch ein Wiedersehen mit Adam Lallana (32). Der Mittelfeldspieler wechselte im Sommer ablösefrei zu den Seagulls. Dort hilft er einer jungen, talentierten Mannschaft dabei, mit attraktivem Offensivfußball den nächsten Schritt zu gehen.

Den Kader ausgedünnt und dem Stil angepasst

Im Sommer galt es vor allem, den Kader auszumisten. Es standen nämlich sage und schreibe 53 Spieler mit Profiverträgen im Kader. Insgesamt wurden davon 16 Spieler abgegeben, viele Talente verliehen. Dazu trennte man sich von einigen Spielern, die in den letzten Jahren zwar wichtig waren, mit denen Trainer Graham Potter (45) im neuen Spielstil jedoch nichts anzufangen wusste. So ging Dale Stephans (31) nach Burnley, Shane Duffy (28) nach Glasgow, Martin Montoya (29) nach Sevilla und Glenn Murray (36) zum Watford FC. Für die vier ehemaligen Stammspieler erhielt man insgesamt nicht einmal vier Millionen Euro. Das zeigt, dass man die Spieler in erster Linie von der Gehaltsliste haben wollte und ihnen keine Steine in den Weg legte.

 

 

Mit Aaron Mooy (29) verließ ein weiterer Stammspieler den Verein. Shanghai SIPG zog seine Ausstiegsklausel über 4,5 Millionen Euro. Dem Australier ging es dabei nicht um Geld, wie es bei so vielen anderen Spielern ist, die ins Reich der Mitte wechseln. Stattdessen wollte er näher an der Heimat sein und regelmäßiger nach Australien zur Familie fliegen können.

Neu in die Mannschaft kamen neben Lallana hauptsächlich Talente, die mit Ausnahme von Andi Zeqiri (21) direkt wieder verliehen wurden. Die einzigen beiden Spieler, die noch als sofortige Verstärkungen betrachtet werden können, sind Joel Veltman (28) und Danny Welbeck (29). Verteidiger Veltman kam für eine Million Euro von Ajax Amsterdam, Welbeck kam ablösefrei, nachdem er seinen Vertrag bei Watford FC aufgelöst hatte.

Der wichtigste Neuzugang ist ein Eigengewächs

Der wichtigste Neuzugang war jedoch ein Spieler aus den eigenen Reihen. Ben White (23) kam von seiner Leihe aus Leeds zurück, mit denen er die Meisterschaft in der zweiten Liga holte. Das war bereits die dritte Leihe für den Engländer. Vor drei Jahren begann seine Reise in der vierten Liga bei Newport County, seitdem konnte er sich jedes Jahr um eine Liga "verbessern" und ist nun in der Premier League angekommen.

 

 

White war bei Leeds Stammspieler und galt gemeinhin als bester Innenverteidiger der gesamten Liga. Leeds United wollte ihn unbedingt halten, er selbst schien auch nicht abgeneigt zu sein. Leeds habe laut eigener Aussage immer einen besonderen Platz in seinem Herzen. Auch viele Teams wollten ihn im Sommer holen, unter anderem soll Liverpool über ihn nachgedacht haben. Doch Brighton konnte ihn halten und ihn sogar mit einem neuen Vertrag bis 2024 ausstatten.

Sportlich hat er alles, was man sich bei einem modernen Innenverteidiger wünscht. Er ist groß, stark, schnell, kann mit dem Ball sowohl im Passspiel als auch im Dribbling einiges anfangen. Dazu hat er ein sehr gutes Timing bei Grätschen. Wie stark er ist, sieht man daran, dass Potter ihn bereits einige Male im Mittelfeld aufbot und er auch dort zu den besten Spielern der Mannschaft gehörte.

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis er in die Nationalmannschaft berufen wird. Gerade, wenn man sich die Situation in der Innenverteidigung Englands ansieht, kann eigentlich kein Weg an einer Nominierung Whites auch zur Europameisterschaft im kommenden Jahr vorbei führen.

Graham Potter – Über Schweden in die Premier League

Graham Potter hat einen sehr ungewöhnlichen Weg hinter sich. Nach seiner aktiven Karriere wurde er während seines Studiums Trainer der Universitätsmannschaft, anschließend nahm er den Job des technischen Direktors der ghanaischen Frauennationalmannschaft an. 2010 ging er nach Schweden zu Östersunds FK, die er in siebeneinhalb Jahren aus der vierten Liga bis in die Europa League führte, wo man unter anderem Hertha BSC in der Gruppe hinter sich lassen und beim Arsenal FC gewinnen konnte.

 

 

Nach einer Saison bei Swansea City bekam er schließlich das Angebot von Brighton, die er am 20.05.2019 übernahm. Potter gilt als Anhänger des Ballbesitzfußballs. Selbst mit individuell unterlegenen Mannschaften versucht er nach Möglichkeit, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Das zeigte sich auch letzte Saison, als Brighton an der Anfield Road 55,2 % Ballbesitz hatte, mehr als jede andere Auswärtsmannschaft (Manchester City auf Platz zwei hatte 55,0 % Ballbesitz).

Wie sehr man Potter vertraut, sieht man daran, dass man bereits nach wenigen Monaten den Vertrag vorzeitig bis 2025 verlängerte.

Potters Wunschsystem oder Anpassung?

Wechselten sich letzte Saison noch in schöner Regelmäßigkeit Systeme mit Viererkette und Dreierkette ab, bleibt man in dieser Saison nahezu durchgehend bei Systemen mit drei Innenverteidigern. In diesem System besonders wohl fühlen sich die beiden Außenverteidiger Tariq Lamptey (20) und Solly March (26), die beide für klassische Außenverteidiger defensiv und für Flügelspieler offensiv zu schwach sind. Die Innenverteidigung wird für gewöhnlich aus White, Lewis Dunk (29) und Adam Webster (25) gebildet. Zuletzt setzte man auf ein 3-1-4-2, aber man hat auch schon im 3-4-2-1 gespielt.

Es bleibt abzuwarten, ob Potter am Samstag sein System umstellen wird. Lamptey sah gegen Aston Villa kurz vor Schluss die gelb-rote Karte und wird daher fehlen. Denkbar ist, dass Veltman die Position übernimmt. Dieser würde sie deutlich defensiver interpretieren als Lamptey. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Umstellung auf vier Verteidiger. Dann würde Veltman den rechten Verteidiger geben, Dan Burn (28) den linken Verteidiger und White würde ins Mittelfeld nach vorne geschoben werden.

Mit diesem System haben die Seagulls beispielsweise gegen Burnley FC gespielt, auch die letzten zehn Minuten gegen Aston Villa griff man auf diese Taktik zurück. Fraglich wäre dann allerdings, wer den Part des rechten Mittelfeldspielers übernehmen wird. Diese Position wurde in beiden Spielen von Lamptey ausgefüllt. Pascal Groß (29) oder auch Lallana könnten auf die Seite ausweichen, auch March könnte hier spielen.

 

 

Dieses System könnte man dann entweder mit dem Zwei-Mann-Sturm Welbeck und Neal Maupay (24) zu einem 4-4-2 komplettieren, oder einer der beiden Stürmer sitzt zu Beginn auf der Bank und die Albions spielen im 4-2-3-1. Leandro Trossard (25) wird für das Spiel ebenfalls wieder zur Verfügung stehen. Der belgische Nationalspieler, der am liebsten über den linken Flügel kommt, würde sich in einem 4-2-3-1 ebenfalls wohler fühlen. Noch ein Punkt, der für dieses System spricht.

Zu viele Punkte verschenkt, trotzdem steht man gut da

Insgesamt läuft die Saison bisher zufriedenstellend. Man ist gegen jedes Team spielerisch mindestens auf Augenhöhe. Lediglich den Lohn dafür fährt man zu selten ein. Dadurch steckt man im erweiterten Abstiegskampf.

Das beste Spiel zeigte man gegen Manchester United. Am dritten Spieltag war man die klar bessere Mannschaft, scheiterte jedoch fünfmal (!) am Aluminium und musste sich durch einen Handelfmeter in der zehnten Minute der Nachspielzeit mit 2:3 geschlagen geben. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem verliefen die Spiele gegen Chelsea FC (1:3), Crystal Palace (1:1) und Burnley FC (0:0). In diesen drei Spielen hätte man statt der zwei Punkte gut und gerne sieben Punkte holen können.








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