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Alexandre Lacazette, Pierre-Emerick Aubamyang, Granit Xhaka und Sead Kolasinac vom Arsenal FC.
Photo credit: Tim Goode/Pool via Getty Images

Gegneranalyse: Arsenal FC

Analyse

  • Autor Lukas Heigl
    3 Monat(e) vor



Am Mittwoch geht es für den Liverpool FC nach Nord-London zum Arsenal FC. Die Gunners laufen in den letzten Jahren ihren Ansprüchen hinterher.

Statt im Kampf um die Meisterschaft dabei zu sein, muss man bei Arsenal hoffen, überhaupt nach Europa zu kommen. Doch es gibt durchaus auch Grund für Optimismus. Eine Analyse:

Kader: Die Problemzonen nur bedingt behoben

Lange Zeit schien es, als habe man bei Arsenal nur sehr wenig Geld zur Verfügung. Am Ende des letzten Sommers stellte sich dies als Ente heraus, insgesamt gab man über 150 Millionen aus.

Ob dieses Geld sinnvoll investiert wurde, kann durchaus angezweifelt werden. So waren die Problemzonen eigentlich klar. In der Innenverteidigung mussten nach Möglichkeit zwei neue Stammspieler kommen, ein Ersatz für die Außenverteidigerpositionen und ein Spieler für das defensive Mittelfeld. Zwar kamen auf diesen Positionen Spieler, allerdings war aufgrund des Transfers von Nicolas Pepe aus Frankreich für 80 Millionen nur noch wenig Geld da.

So kam David Luiz für acht Millionen vom Stadtrivalen Chelsea FC für die Innenverteidigung, Pablo Mari kam aus Brasilien. Mit Kieran Tierney kam aus Schottland ein Spieler, der sowohl in der Innenverteidigung als auch als Linksverteidiger spielen kann. Für das zentrale Mittelfeld wurde Dani Ceballos von Real Madrid ausgeliehen. Cedric Soares kam als Backup für die rechte Verteidigerposition aus Southampton.

Abgegeben wurden mit Alex Iwobi, Laurent Koscielny, Henrikh Mkhitaryan, Nacho Monreal, Danny Welbeck und David Ospina solide Spieler, die allerdings entweder zu viel Gehalt bekommen haben (Ospina, Mkhitaryan, Welbeck), viel Geld einbrachten (Iwobi) oder wegwollten (Koscielny, Monreal). Der einzige wirklich gravierende Abgang war der von Aaron Ramsey. Mit dem Waliser konnte man sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen, er ging ablösefrei nach Italien zu Juventus Turin.

Taktik: Systemumstellung hilft (fast) jedem Spieler

Die längste Zeit spielte man unter Arteta ein 4-2-3-1. Da dies nicht wirklich funktionierte, stellte er vor drei Wochen das System um. Seitdem spielt man in einem 3-4-3.

Hierbei ist David Luiz als zentraler Part der Innenverteidigung essentiell. Seine Spieleröffnung ist eine der besten der Welt, sowohl was kurze Pässe angeht als auch in Sachen lange Bälle. Diesem kommt das neue System extrem entgegen, da er neben sich zwei weitere Innenverteidiger hat, die seine zu häufig vorkommenden Stellungsfehler ausbügeln können.

Auch Hector Bellerin, dem rechten Außenspieler, hilft das neue System extrem. Der gelernte Rechtsverteidiger ist von jeher vor allem für seine Offensivstärke bekannt, im neuen System kann er diese deutlich besser ausleben. Auf der anderen Seite kann man nun mit Sead Kolasinac und Tierney zwei der besten Spieler im Kader gleichzeitig aufstellen. Vor allem Tierney blüht auf der offensiveren Position deutlich auf.

Im zentralen Mittelfeld benötigt man nur noch zwei Spieler, durch die schlechte Form von Lucas Torreira und Matteo Guendouzi stellt dies einen Vorteil dar. Die Flügelstürmer können sich durch die offensiven Außenverteidiger und die fehlenden offensiven Mittelfeldspieler deutlich zentraler aufhalten, ein Faktor, der vor allem Pierre-Emerick Aubameyang auf der linken Seite zu Gute kommt.

Aber nicht für jeden Spieler bedeutet die Systemumstellung Gutes: Mesut Özil spielt seit dem Restart überhaupt keine Rolle. Dies ist nicht verwunderlich, gibt es die Position des deutschen Kreativspielers in dem System schlicht nicht. Für das zentrale Mittelfeld ist er nicht zweikampfstark genug und für den Flügel fehlt ihm das Tempo.

Trainer: Mikel Arteta – Guardiola's Schüler

Bereits 2018 wollte man Mikel Arteta als Nachfolger von Arsene Wenger holen. Damals wollte er jedoch lieber bei Manchester City bleiben, als Assistent von Pep Guardiola. Unter dem Spanier arbeitete Arteta insgesamt dreieinhalb Jahre. Die Hoffnung bei Arsenal ist, dass er bei den Gunners in den nächsten Jahren einen ähnlichen Fußball spielen lässt und eine ähnliche Gewinner-Mentalität einbringt.

Warum man ihn holte, liegt neben seiner Arbeit mit Guardiola auch daran, dass er während seiner aktiven Zeit fünf Jahre bei Arsenal spielte. In dieser Zeit konnte er zwei Mal den FA Cup und zwei man den Community Shield gewinnen.

Form: Seit der Taktikumstellung läuft's

Direkt zu Beginn des Restarts lief es überhaupt nicht. Man startete mit zwei Niederlagen gegen Manchester City und Brighton and Hove Albion.

Dann kam die Taktikumstellung. Seitdem konnte man aus fünf Spielen zehn Punkte holen, und das trotz eines recht schweren Programms. Hätte man gegen Leicester City keinen Platzverweis bekommen und gegen Tottenham Hotspur seine spielerische Überlegenheit genutzt, hätten es auch gut und gerne 15 Punkte aus diesen fünf Spielen werden können. Spielerisch war man jeder Mannschaft über weite Strecken überlegen.

Die Niederlage im Nord-London-Derby hat allerdings sämtliche Ambitionen hinsichtlich der Champions League in der kommenden Saison zu Nichte gemacht. Daher wäre es durchaus möglich, dass sich die Gunners eher auf das FA-Cup-Halbfinale am kommenden Wochenende konzentrieren und den ein oder anderen Spieler in der Begegnung am Mittwoch schonen. Allerdings geht es in dem Halbfinale gegen Manchester City. Somit ist das Erreichen der Europa League bei vier Punkten Rückstand über die Liga wahrscheinlicher als der FA-Cup-Sieg, wodurch eine zu große Rotation wohl nicht erfolgen wird.

Player to watch: David Luiz

David Luiz kam im letzten Sommer, um die Abwehr zu stabilisieren. Auf den ersten Blick war dies für nur acht Millionen Ablöse ein durchaus guter Transfer. Auf den zweiten Blick jedoch durchaus fragwürdig.

Denn Luiz ist alles, aber kein Stabilisator der eigenen Abwehr. Er hat seine Stärken ganz klar in der Spieleröffnung. Dort zählt er zu den besten Innenverteidigern der Welt, weshalb er vor allem in seiner ersten Zeit bei Chelsea durchaus auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde.

Defensiv hingegen „glänzt“ er vor allem durch regelmäßige Stellungsfehler, dumme Fouls und unbedachtes Herausrücken aus der Abwehrkette. Dadurch hat er in den letzten Jahren regelmäßig brenzlige Situationen heraufbeschworen.

Dazu kommt, dass der Transfer nur auf den ersten Blick so preiswert ist. Nimmt man das Handgeld und Gehalt dazu, dürfte der Transfer bis 2021 insgesamt knapp 40 Millionen gekostet haben. Für dieses Geld hätte man einen jungen, talentierten Innenverteidiger bekommen können, der zwar mehr Ablöse, dafür aber weniger Gehalt gekostet hätte. Dies wäre der deutlich sinnvollere Weg gewesen.

Durch die Systemumstellung wird Luiz jedoch wieder deutlich wichtiger. Sein Spielaufbau aus dem Zentrum der Dreierkette ist sehr wichtig, damit dieses System funktioniert, da sich kein Mittelfeldspieler in die letzte Kette fallen lassen kann, um sich am Spielaufbau zu beteiligen. Dies müssen nun die Innenverteidiger übernehmen. Sein schwaches Stellungsspiel kann in dem neuen System auch deutlich besser aufgefangen werden, da er zwei Nebenmänner hat statt nur einen.

Prognose:

Offensiv sollte man nach Möglichkeit David Luiz attackieren. Auch Granit Xhaka könnte man zu dem ein oder anderen Foulspiel in aussichtsreicher Position verleiten, wenn man den Mittelfeldspieler unter Druck setzt. Darüber hinaus dürfte vor allem bei Standards einiges gehen. Arsenal hat 20 ihrer 44 Gegentore nach Standards bekommen, was die höchste Quote der Liga ist. Liverpool hingegen ist die beste Mannschaft nach Standards.

Defensiv heißt es vor allem, auf die drei Stürmer zu achten. Aubameyang, Alexandre Lacazette und Pepe haben zu dritt 67% der Tore von Arsenal erzielt. Aus dem Mittelfeld hingegen kommt kaum Gefahr. Auch bei Standardsituationen ist Arsenal nicht sonderlich gefährlich, lediglich fünf Kopfballtore konnte man bisher erzielen.

Allgemein sind die Reds vor allem durch die Art und Weise, wie die drei Stürmer ihre Rollen interpretieren, sehr stark gegen Systeme mit drei Innenverteidigern. Gegen Sheffield United und die Wolverhampton Wanderers, aber auch gegen Arsenal 2018 oder Tottenham Hotspur in der Hinrunde zeigte sich dies immer wieder.








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