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Jürgen Klopp und Liverpool stellten kürzlich noch einmal klar: Einen Innenverteidiger im Januar zu verpflichten wäre
Photo credit: Getty Images

Formtief und kein neuer Verteidiger? Liverpools Konflikt im Transferfenster

Analyse

  • Autor André Völkel
    3 Monat(e) vor



Jürgen Klopp und Liverpool stellten kürzlich noch einmal klar: Einen Innenverteidiger im Januar zu verpflichten wäre "finanziell unverantwortlich". Und das hat nicht nur taktische Folgen.

Durchschnittliche Lesezeit: 6 Minuten

So sehr mögliche Transfers und Gerüchte belustigen und dem derzeit angeschlagenen Fußball-Alltag etwas mehr Spannung geben, scheint zumindest bei Liverpool in Sachen Transfers im Januar alles klar zu sein, oder?

In unserer letzten Transferanalyse griffen wir einige spannende und auch lustige Gerüchte auf. Wenige Tage später ist die Hälfte davon schon wieder Geschichte. Der Wunsch nach Transfers, zumindest eines Innenverteidigers, verstummen allerdings nicht.


Transferanalyse - kommt ein neuer Verteidiger im Januar?
Klopp hält Transfer für unwahrscheinlich

 

 


Die Reds sind derzeit defensiv gebeutelt. Mit dem Ausfall von Matip fehlen Liverpool alle gestandenen Verteidiger. Und das in einer Zeit, in der man sich mitten im Titelkampf bzw. Titelverteidigung befindet und weiterhin gute Chancen auf eine erfolgreiche Saison hat. Die letzten Tage und ein besorgniserregendes Formtief gepaart mit taktischen Schwierigkeiten machen die Misere perfekt. Bis zum nächsten Sieg.

Im letzten Spiel gegen Southampton durften Fabinho und Henderson in der Innenverteidigung aushelfen. Zwei Mittelfeldspieler. Trotz allem gibt es derzeit weiterhin keine Anzeichen für Verstärkungen. Laut diversen Quellen aus Anfield ist es derzeit weiterhin unwahrscheinlich, dass ein neuer Spieler für den Rest der Saison verpflichtet wird. Ein Glücksspiel von Liverpool?

Was passiert hinter den Kulissen?

 

 

Mike Gordon (Präsident der Fenway Sports Group), Michael Edwards und Jürgen Klopp haben in den letzten Jahren deutlich erfolgreich dem Druck von außen Stand gehalten und sich vor allem nicht in die Karten schauen lassen. Sie verfolgen eine langfristige und klare Strategie, die kurzfristige und schnelle Lösungen nicht zulassen und das auch nicht brauchen. Das bedeutet, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen, dann warten sie, bis es so weit ist. Die besten Beispiele wären wohl Alisson Becker, Virgil Van Dijk, Philippe Coutinho und Thiago Alcantara.

Klopp erklärte erst kürzlich in einer Pressekonferenz, dass ein Transfer im Januar als Notlösung, nur um Liverpool durch die Saison zu bringen, "keinen Sinn ergibt". Der Manager Liverpools würde "lieber einem Teenager mit viel Potenzial", wie Williams oder Phillips eine Chance geben, statt einem Neuankömmling, der nicht zum Stil passt und erstmal "eintrainiert" werden muss.

 

 

Doch ein nicht stattfindender Transfer im Januar ist kein Zeichen dafür, dass die Köpfe hinter Liverpools Transfer-Strategie nicht wissen, wo ihre Schwachstellen liegen. Sie gehen ein kalkuliertes Risiko ein. Das taten sie schon mit dem Transfer von Dejan Lovren. Liverpool möchte unter keinen Umständen Budgets sprengen. Vor allem nicht in einem Markt und zu einer Zeit, in der soviel Unsicherheit und fehlende finanzielle Planungsmöglichkeiten bestehen.

Niemand konnte vorher sehen, dass sich Van Dijk und Gomez innerhalb kürzester Zeit so schwer verletzen. Damit planen kann man auch nicht! Und niemand kann dieses Risiko abdecken, ohne dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu geraden. Seit Virgil Van Dijks Verletzung wurden, laut den Quellen von The Athletic, Dutzende Innenverteidiger in Europa in Betracht gezogen und bewertet.

Spätestens seit der Trainingsverletzung von Joe Gomez laufen sicherlich die Computer-Prozessoren und Fax-Maschinen heiß.

Kontakt zu Ozan Kabak

 

 

Die Quellen von The Athletic bestätigen, dass erste Gespräche mit Ozan Kabak und seinen Vertretern im November geführt wurden - wir berichteten. Man entschied sich die Gespräche nicht fortzuführen und den Spieler nicht zu verpflichten.

Dayot Upamecano wird von vielen bewundert und ist sicherlich die Nummer Eins vieler Fans um die ausgemerzte Innenverteidigung von Liverpool zu verstärken. Hier berichteten wir allerdings auch schon, dass es alleine aufgrund des Aufeinandertreffens in der Champions League unwahrscheinlich ist, dass die Klubs untereinander einen Transfer über die Bühne bringen können.

Brighton & Hove Albions Ben White war ebenfalls auf der Liste. Allerdings steckt der Verein im Abstiegskampf und möchte ungern einen Leistungsträger abgeben.

Ente Ente Ente?

 

 

Die Gerüchte um Sven Botman waren eine Ente. Natürlich. Hier liegt laut einiger renommierter Journalisten der Verdacht nahe, dass Liverpools Name benutzt wurde, um den Preis in die Höhe zu treiben. Ein ähnliches Verhalten von Lille war damals bei Nicolas Pépé erkennbar. Da musste Michael Edwards sogar persönlich Kontakt mit Lille aufnehmen damit sie die Gerüchte unterlassen. Respekt für Lille zu finden ist schwer dieser Tage.

Die Suche nach einem geeigneten Innenverteidiger, der schon im Januar verfügbar ist, stellt sich als äußerst problematisch dar. Vor allem die Finanzen spielen hier noch eine große Rolle. Die Auswirkungen der weltweiten Pandemie sind weiterhin tiefgreifend. Man geht davon aus, dass die Kosten für Liverpool in Form von Umsatzeinbußen mehr als 100 Millionen Pfund betragen und weiter steigen, da die Einnahmen aus den Spieltagen ausbleiben.

Langfristige Transfers - Schlüssel zu Erfolg

 

 

Als man Mitte September Thiago und Jota kaufte, lag der Schlüssel zum Erfolg in der Bereitschaft der verkaufenden Vereine, nur einen kleinen Teil der Ablösesumme im Voraus zu akzeptieren.


Die Hintergründe des Thiago-Transfers
Hintergründe des Jota-Transfers


"Dies ist ein sehr schwieriges Transferfenster, wie man sich vorstellen kann. Nicht viele Klubs haben wirklich Geld locker und wollen ihre Top-Spieler so einfach abgeben", gab Klopp kürzlich zu.

Die Frage, die sich hier vielleicht noch stellt, ist, können die Reds es sich leisten nichts zu tun? Prämien aus der Champions League, jede hohe Platzierung in der Premier League - alles bringt mehr Geld in die Kassen. Und dann wäre da noch die Möglichkeit weitere Titel zu gewinnen.

Fehlende Anpassung und Kreativität

 

 

Obwohl Matip derzeit nicht der vertrauenswürdigste Startelf-Kandidat ist, wirkt Liverpool zumindest defensiv nicht gerade verwundbarer. Als Van Dijk ausfiel trat Joe Gomez in die Fußstapfen und brachte die notwendige Stabilität und den Raum für die Reihen davor.

Die Probleme liegen derzeit eher in der Offensive und der veränderten tief stehenden Taktik, die die Reds spielen müssen. Liverpool fehlte es in den letzten Wochen, ausgenommen Crystal Palace, an Kreativität und Durchschlagskraft. Woran liegt das?

Henderson und vor allem Fabinho spielen gut in der Innenverteidigung, doch ihre Präsenz im Mittelfeld fehlt und konnte bisher nicht kompensiert werden. Gerade Fabinhos Fähigkeiten als defensiver Mittelfeldspieler lassen sich hervorragend auf seine Innenverteidiger-Position übertragen. Ballsicherheit, Ballkontakte, Pass-Sicherheit, Abschirmen, Ballgewinnung und seine Fähigkeit Angriffe zu starten.

Van Dijk war jemand, der die Räume deckte und nur Eingriff, wenn es nötig war. Das gab Fabinho vor ihm genügend Möglichkeit der Entfaltung. Nicht ohne Grund wurde Fabinho oftmals gerne als "Dyson" bezeichnet. Immerhin entzog er den meisten gegnerischen Angriffen den Ball oder stellte die Räume zu. Er verlor selten die Bälle und unterband viele Angriffe weit vor der Abwehrlinie der Reds. Fabinho konnte Angriffe aus dem Mittelfeld starten. Der Druck auf die Gegner war dadurch höher.

 

 

Tatsächlich hat nur Naby Keita vergleichbare Werte gezeigt im Mittelfeld, wenn er denn eingesetzt wurde. Keita ist allerdings weiterhin zu oft verletzt und momentan ist leider kein Ende der Misere zu erkennen.

Liverpool steht derzeit tiefer und lässt mehr Raum für das Pressing, was in dem Fall nicht so erfolgreich ist. Fabinho muss seine Fähigkeiten in der Abwehr ausüben. Das führt dazu, dass die Bälle nicht unbedingt vorwiegend im Mittelfeld gewonnen werden können und die Gegner zu nah an den eigenen Strafraum kommen. Die Verteidiger müssen tiefer eingreifen. Es ergeben sich zu große Freiräume zur Offensive. Und Liverpool kann nicht wie gewohnt den Druck auf den Gegner ausüben, um den Ball frühzeitig zurückzuerobern.

Statistisch gesehen gewinnt Liverpool im Durchschnitt den Ball derzeit 5 Meter tiefer als noch mit Van Dijk in der Abwehr. Seitdem Fabinho in der Abwehr eingesetzt wird gewinnen die Reds nur halb so viele Bälle im gegnerischen Spielfeld.

 

 

Hinzu kommt, dass dieses Team im Gegensatz zu letzter Saison aufgrund der vielen Verschiebungen auf den Positionen nicht so eingespielt ist, wie es nötig ist. Weder die Offensive, noch das Mittelfeld. Das ist fatal bei der pressing-lastigen Taktik Liverpools.

Neben weiteren Verletzungen von z.B. Jota, dem taktischen Rückzug und die Spiele, in denen die Reds gegen sehr tief stehende Gegner sich die Zähne ausbeißen wirken sich viele externe Faktoren auf die derzeitige mentale und körperliche Situation der Spieler aus. Die Jungs sind müde und müssen viel trainieren, um neue Taktiken zu erlernen. Eine Mammutaufgabe für Jürgen und sein Trainerteam.

 

 

Einige Spieler wie zum Beispiel Thiago müssen erst auf 90 Minuten Fitness kommen. Eine weitere Verletzung eines Schlüsselspieler erhört den Druck auf die einsetzbaren Spieler. Der enge Spielplan führt dazu, dass die Trainer und Spieler kaum intensiv trainieren können, stattdessen viel Regeneration benötigen.

Nach dem Spiel gegen Aston Villas U23 im FA Cup wird klar, dass die Woche vor dem Manchester United Spiel sehr viele Einzelspiele (11 gegen 11) stattfinden werden, damit sich die Spieler an die neuen Aufstellungen und Taktiken gewöhnen können.

 

 

Klopp zieht Training den Transfers vor. Ebenso fördert er gerne Talente, anstatt sie einzukaufen. Kurzfristige Lösungen sind nicht mehr das, worum es bei Liverpool geht. Die Reds sind nicht da, wo sie jetzt stehen, mit einem kurzfristigen Ansatz. Und sollten sich in den nächsten Wochen nicht plötzlich Gelegenheiten ergeben einen Spieler zu verpflichten, den sie für vier bis fünf Jahre wollen, dann wird kein Innenverteidiger wechseln. Denn Liverpool möchte auf keinen Fall finanziell unverantwortlich handeln.

 

 

Und Jürgen Klopp stellte passend dazu fest: "Es ist nicht das einfachste Transferfenster. Hinzu kommt, dass man das Geld nicht so hat, wie es gerne hätte. Es ist eine Zeit ind er andere Vereine sagen: 'Wir haben nicht viel Geld, aber wir sind ok und haben genug'. Ich bin auch ein Fußball-Fan, aber ich bin nicht als Fan angestellt, sondern als Manager. Als Fan sehe ich 'die brauchen einen Innenverteidiger und die andere Mannschaft hat einen guten, also holt ihn!'. Ich verstehe das. Absolut.", fügte er hinzu. "Aber das ist nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es wirklich, die Spieler, die wir hier haben, so stark wie möglich zu machen, um mit der Situation umgehen zu können." 

Weiterführender Artikel mit Aussagen von Klopp zu diesem Thema: 
Klopp hält Transfer für unwahrscheinlich

 

Analyse von André Völkel In freundlicher Kooperation mit James Pearce/The Athletic








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