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Exklusivartikel - Thiago Alcantara wechselt zum Liverpool FC. Die Hintergründe des Toptransfers auf Redmen Family Germany.
Photo credit: Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images

EXKLUSIV: Die Hintergründe des Thiago-Transfers

Analyse

  • Autor André Völkel
    1 Monat(e) vor



Am Freitagabend gab Liverpool den Thiago-Transfer offiziell bekannt. Die Hintergründe des Transfers mit seinen Vertragsdetails verdeutlichen wie bombastisch dieser Transfer ist. Liverpool wird durch Thiago noch flexibler und Unberechenbarer.

Es begann alles mit einem Telefonanruf im Juni. Thiago Alcantara stand kurz vor der Vertragsunterzeichnung eines neuen Vierjahresvertrags mit Bayern München im Wert von rund 12 Millionen Pfund pro Jahr. Er wurde darüber informiert, dass Jürgen Klopp ihn in Liverpool haben wolle. Diese Nachricht verdrehte ihm den Kopf. 

Dieser Artikel erschien am 19.09.2020 und ist einer von vielen, die regelmäßig exklusiv auf Redmen Family Germany erscheinen. Wir investieren gerne mehrere Stunden Arbeit in unsere Artikel, damit ihr das beste Lese-Erlebnis über Liverpool im deutschsprachigen Raum habt. Mit einer Mitgliedschaft supportet ihr uns und bekommt obendrein noch ein paar sehr nette Vorteile wie Tickets nach Anfield und Vergünstigungen. Mehr Informationen findet ihr hier. Danke!

Anfang des Jahres schien es sicher, dass er seinen Vertrag bei Bayern München verlängern wollte. Die Gespräche mit Liverpool begannen vor etwa drei Monaten. Manchester United zeigte zwar auch Interesse, allerdings war von Anfang an klar, dass Thiago an die Merseyside wechseln will. Das bestätigte ein Freund der Familie kürzlich gegenüber "The Athletic."

Bewunderung von beiden Seiten

 

Die Bewunderung von Klopp für Thiago beruhte auf Gegenseitigkeit. Als Thiago in Anfield spielte, war er von der Atmosphäre wie vom Blitz getroffen worden. Das torlose Hinspiel tat dem keinen Abbruch. Die Reds gewannen in dem Jahr die Champions League und im darauffolgenden Jahre wurden sie mit weiteren Trophäen überhäuft. Liverpools dominanter Marsch an die Spitze der Premier League bestärkte Thiagos Wunsch zu wechseln. Nach sieben langen Jahren mit vielen Trophäen bei den Bayern lehnte der Spanier schlussendlich den neuen Vertrag ab.

Als Thiago allerdings am Ende der vergangenen Saison sich emotional von seinen Kollegen verabschiedete, war noch nicht klar, dass er nochmal den Trainingskomplex der Bayern betreten müsste. Sein Haus in München wurde zu dem Zeitpunkt schon zum Verkauf angeboten. 

"Eine großartige Person!"

 

Am Donnerstagmorgen waren die Verhandlungen zwischen Liverpools Sportdirektor Michael Edwards und Hasan Salihamidžić schließlich abgeschlossen. Thiago durfte sich ein weiteres Mal von seinen Kollegen verabschieden. Der Bayern-Manager Hansi Flick gratulierte Klopp in seiner PK zum Bundesliga-Start zur Unterzeichnung "eines außergewöhnlichen Spielers und einer großartigen Person".

Am Donnerstag flog Liverpools Chefarzt jim Moxon nach München, um seine medizinische Untersuchung zu beaufsichtigen. Sein neuer Vertrag, der dem Spanier 200.000 Pfund pro Woche einbringt, war zu diesem Zeitpunkt schon intakt. Die Nummer 6, Thiagos Lieblingstrikotnummer, wurde durch Dejan Lovrens Wechsel praktischerweise frei. 

Kehrtwende in der Transferpolitik?

Doch warum diese Kehrtwende in einem Transfer, der nach außen zum Scheitern verurteilt war? Wir berichteten zuvor ebenfalls, dass ein Transfer für einen Mittelfeldspieler offensichtlich nur Sinn ergeben kann, wenn entweder Gini Wijnaldum die Reds zeitnah verlässt, oder andere Spieler den Weg frei machen. Darüber hinaus schien es lange Zeit, dass Liverpool die finanzielle Belastung nicht eingehen wolle.

Jürgen Klopp scheint hier die erste Antwort zu sein. Der Manager habe sich mit Nachdruck für den Transfer eingesetzt. FSG-Präsident Mike Gordon und Michael Edwards machten den Deal dann schlussendlich fix. Für Liverpool ging es aber immer darum, die Zahlen stark zu beachten. Durch die stark reduzierten Einnahmen aufgrund der COVID-19-Pandemie ist Liverpool offensichtlich einer der Klubs in England, die vorsichtiger sind als andere. 

Bemerkenswert bei Liverpool ist, dass die Agenda nur Geld einzusetzen, welches eingenommen wurde, immer noch greift. FSG möchte Liverpool als eigenständiges, funktionierendes Unternehmen laufen lassen, dass sich selber trägt und keiner Finanzspritze von den Besitzern bedarf. 

Abschied von Wijnaldum? 

 

 

Der Transferpreis für Thiago stand schon lange fest. Bis vor Kurzem vertrat man bei Liverpool die Position, dass nur ein Deal ausgehandelt werden könne, wenn ein zentraler Mittelfeldspieler den Verein verlassen würde. Liverpool stellte sich auf ein Angebot von Barcelona für Georginio Wijnaldum ein. Der Spieler drängte allerdings nicht auf einen Wechsel und bis dato ist kein Angebot von dem wankenden Riesen aus Katalonien eingegangen. 

Also entschieden sich die Verantwortlichen aus Liverpool Anfang der Woche die Verhandlungen für Thiago wieder aufzunehmen und zu finalisieren. Edwards, der zähe Unterhändler, ein Mysterium im aktuellen Fußball, arbeitete zuvor im Hintergrund schon an einem Deal und verbesserte somit die Verhandlungsposition. Thiago wollte wechseln, die Bayern wollten keine gescheiterte Transfersaga zum Start der Saison und waren somit geschwächt. 

Klopp will verkaufen

 

 

Klopp muss und will verkaufen. Er befürchtet, dass der Kader zu aufgebläht wird. Allerdings fehlt es momentan noch an Angeboten, auf die man eingehen will. Unter Wert wird niemand verkauft, das ist klar. Weitere Informationen zu ernstzunehmenden Gerüchten findet ihr im Transfercenter auf dieser Homepage. 

Die außergewöhnlichen Details des Transfer zeigen einmal mehr die Masterclass von Michael Edwards. Von den 27 Millionen Pfund bekommt Bayern München scheinbar nur 5 Millionen Pfund jährlich über die Laufzeit des Vierjahres-Vertrages. Der Rest wird in Form von Zuschlägen gemessen an dem Erfolg des Teams und des Spielers gezahlt. Kleine Randnotiz: Michael Edwards verkaufte letztes Jahr Dominic Solanke für knapp 19 Millionen Pfund an Bournemouth ... wir lassen das mal so stehen. 

Unberechenbarkeit als Schlüssel zum Erfolg

 

 

Jürgen Klopp und Assistent Pep Lijnders sprechen oft über die Notwendigkeit, dass Liverpool "unberechenbar" bleiben muss. Sie halten ihre Gegner gerne im Ungewissen. Deshalb sehen wir Fans Jahr für Jahr Weiterentwicklungen des Teams und des Spielstils. Es galt gerade im Mittelfeld eine neue Dimension zu schaffen. Derzeit erfolgt ein Großteil der Angriffe auf den Außenbahnen über Robertson und Alexander-Arnold.

Eine Quelle aus der Umkleidekabine des Liverpool FC wurde von James Pearce kürzlich zitiert: "Ein Transfer wie dieser gibt jedem im Team einen Auftrieb. Es zeigt, dass der Klub es wirklich ernst meint und zusätzlicher Wettbewerb um die Plätze bringt noch mehr Hunger in den Kader. Wir reden hier nicht über jemanden, der als Ersatzspieler einspringt, sondern über einen Elitespieler, der viele Trophäen gewonnen hat und auf dem Spielfeld wirklich einen großen Unterschied machen kann. Er passt zu der Art von Spieler, die man in Liverpool sehen will. Alle Jungs in Melwood sprechen darüber." 

Das Mittelfeld ist ein Bereich im Team, bei dem Jürgen Klopp regelmäßig wechseln muss. Bei dem Spielplan ist es umso besser, wenn mehrere hochkarätige Optionen verfügbar sind. 

Thiago als fehlendes Puzzleteil

 

 

Thiagos Fähigkeiten sind Liverpool bekannt gewesen. Seine Kreativität und sein Fähigkeiten-Repertoire machten ihn zu einem der besten Mittelfeldspieler Europas. Für das Analyse-Team war es wichtig, dass Thiago Bälle zurückerobern konnte, den Ball auf engem Raum unter Druck halten kann und Räume erschließen kann, die schwer zu erreichen sind. Liverpool brauchte einen Spieler, der den "letzten Ball" spielen kann in solchen Situationen. Thiago ist dieser fähige und intelligente Spieler. Er tickt alle Boxen.

Mit Thiago bekommen die Reds einen Spieler, der die zentralen Bereiche des Gegners zerlegen kann. Es ist nicht einfach eine Meistermannschaft noch besser zu machen. Klopp braucht mehr Flexibilität in seinen bevorzugten Aufstellungen 4-3-3 und 4-2-3-1. Dieser Transfer ist wahrscheinlich einer der wichtigsten und sinnvollsten der letzten Jahre. Und lässt vielleicht auch die neue Generation von Fans ohne taktischen Verständnis und realem Bezug zum Fußballgeschäft verstummen, wenn Thiago den ersten Weltklasse-Assist auf Firmino, Salah oder Mané spielt.  

Wie anfällig ist Thiago?

 

 

Thiago erlitt 2014 eine schwere Knieverletzung, die ihn für ein Jahr an die Reha band.  Liverpool hatte in dieser Hinsicht keine Bedenken. Warum? Thiago spielte 220 Spiele für Verein und Nationalmannschaft in 5 Jahren. Das klingt für uns nach einem robusten Spieler. 

Thiagos Vertrag endet, wenn er 33 Jahre alt ist. Es wurde keine vertragliche Ablösesumme vereinbart. Mit den zu erwartenden Einnahmen durch den neuen Trikot-Hersteller Nike wird sich dieser Transfer wahrscheinlich schon in den ersten beiden Saisons amortisieren. 

Trotz allem ist ein Transfer vom Kaliber Thiagos eine Abkehr der aktuellen Transferpolitik. Liverpool fährt ein Modell, dass junge Talente mit großem Potenzial fördert und in sie investiert. Ein Modell, das in den letzten Jahren zum Sieg der Champions League, des UEFA Super Cups, der Klub-Weltmeisterschaft und natürlich der englischen Meisterschaft geführt hat. Jürgen Klopp macht aus den Spielern Weltklasse-Akteure, anstatt Edelsteine auf dem Zenit ihres Schaffens zu kaufen. Selbst große Transfers wie Van Dijk und Alisson waren keine Erfolgsspieler vom Kaliber Thiago. 

Die Bayern versuchten übrigens noch den Preis in die Höhe zu treiben, indem sie Manchester United, Arsenal und Chelsea kontaktierten. Man bot den Spieler an und hoffte auf einen Bieter-Krieg. Wahrscheinlich war das auch eine der Gründe, warum erst Anfang der Woche die Gespräche von Liverpool fortgeführt wurden. 

Herzlich willkommen, Maestro!

 

 

Thiago wird ein Erfolg bei Liverpool. Und neben dem Effekt des Transfers an sich wird er ebenso Spielern wie Curtis Jones, Oxlade-Chamberlain und Minamino eine Menge Erfahrung weitergeben können. 

Thiago hätte schon längst die Premier League mit seiner Anwesenheit beehren sollen. Zum Glück kam ein damaliger Wechsel nicht zustande, weil David Moyes weder auf Alex Ferguson gehört hatte, noch den Mut hatte für diesen Spieler einzustehen. Er behielt Rooney bei United und zögerte beim 22-jährigen Thiago. Jürgen Klopp hat den Mut bei einem 29-jährigen Maestro und wird hoffentlich dadurch die letzten Zweifler, die in den letzten Wochen wieder aufkeimten, zu bekehren. 

 

Herzlich Willkommen, Thiago. 








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