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Photo credit: Michael Regan/Getty Images

Boot Room Boy: Liverpool - eine neue Dynastie?

Blog / Kolumne

  • Autor André Völkel
    28 Monat(e) vor



Die nachhaltige Erfolgsgeschichte aus klugem Handeln und hohen Ambitionen. Der Liverpool FC hat eine lange Reise hinter sich. Im Rückblick offenbart sich, wie die aktuellen Besitzer ihre Strategie änderten, die wenige Jahre später zum Erfolg führte. Jürgen Klopp ist da natürlich nicht ganz unschuldig dran.

2010 übernahm die Fenway Sports Group (FSG) das Ruder und rettete den Verein vor der Insolvenz. Nach einigen holprigen Saisons wurde Brendan Rodgers durch Jürgen Klopp ersetzt. Die Reise nahm Fahrt auf und der Club wurde letztes Jahr für seine Ambitionen zurecht mit dem Champions League-Titel gekrönt.

Vier Jahre nachdem Klopp das Ruder übernommen hat befindet sich der Club in der gesündesten und erfolgreichsten Situation seit Jahrzehnten. Finanziell vielleicht sogar in der erfolgreichsten Zeit jemals. Der Weg dahin war auf alle Fälle beschwerlich.

FSG, die Besitzer des Liverpool FC hatten einen schwierigen Start im Verein und in den ersten Jahren wurde viel kritisiert und gemeckert. Zurecht! Die Umsetzung der Baseball-Strategie "Moneyball" für den englischen Fußball war sicherlich kein Erfolgsrezept und vor allem nach der Rodgers-Ära war es notwendig, die Strategie neu zu überdenken.

 

 

Jürgen Klopp tritt auf.

Jürgen "The Normal One" wurde am 08. Oktober 2015 als neuer Trainer der Reds bekannt gegeben. Ein charismatischer Trainer, der es trotz der großen Konkurrenz in Deutschland und Europa geschafft hatte, mit relativ wenig Geld Erfolge in Mainz und Dortmund zu erzielen - sowohl in der Bundesliga als auch in Europa. Große und wichtige Erfolge, die bis heute in den Vereinen nachhallen.

In seinen ersten acht Monaten in Liverpool war Klopp bereits ein Garant für großartige Momente. Es kam zu zwei Endspielen, darunter eines in der Europa League und obwohl es in der ersten Saison für den Deutschen keine Trophäen gab, gab es dem Verein und den Fans Hoffnung auf eine große Zukunft. Das Viertelfinale in Anfield gegen Dortmund war ein absoluter Höhepunkt bis dahin, doch es sollte nur ein Vorgeschmack bleiben für das, was da noch folgte.

Der erste Spatenstich

In der kommenden Saison konnten der Klub und die Eigentümergruppe FSG endlich an einer Baustelle im Verein einen großen Schritt voran kommen: Anfield. Der Ausbau des "Main Stands" stand an. Der Verein begann in einem phänomenalen Kraftakt eine der größten Haupttribünen Europas zu bauen und das während des Spielbetriebs und sogar pünktlich im Zeitplan. Der "Main Stand" sollte auch den alten Spirit in Anfield beibehalten und sogar verstärken. Was ihnen gelungen ist.

Durch die geplanten Erweiterungen wurde die Kapazität von knapp über 45.000 auf 54.074 erweitert. Gegen den damaligen Titelverteidiger Leicester City konnte im September 2016 die neue Tribüne eröffnet werden. 4:1 war das Ergebnis des Spiels an einem sonnigen Tag an der Merseyside. Die Stimmung im Stadion war elektrisierend. Anfield war laut, sehr laut!

 

 

Ein Marathon - kein Sprint

Die erste Hälfte der Saison 2016/17 war für Liverpool unter Jürgen Klopp in vielerlei Hinsicht eine fantastische Zeit. Offensiver Fußball, der viele Menschen begeisterte und kurz vor der Länderspielpause Platz Eins in der Premier League im November. Jürgen Klopps mangelnde Erfahrung mit dem intensiven Winter der Premier League erwies sich jedoch im Januar und Februar als spielentscheidend.

Liverpool verlor ernsthaft an Boden, Verletzte auf mehreren Schlüsselpositionen. Das Team sah aus wie eine Mannschaft, die den Atem verloren hatte. Im letzten Spiel der Saison gegen Middlesbrough mussten sie mit dem Rücken zur Wand siegen um die Champions League zu erreichen. Ein schwieriges Spiel gegen Middlesbrough, doch nach einem 3:0-Sieg stand Liverpool zum ersten Mal seit 2014 wieder in der Champions League. Die Qualifikationsrunde rief.

Trotz des Einbruchs und schwierigen Jahresstarts war die Saison eine schöne Erinnerung daran, dass Klopp und das Projekt Liverpool noch einen langen Weg vor sich hatten - sie waren auf dem richtigen Weg. Für den Boss war es eine wichtige Erfahrung. In England muss man seine Kräfte verteilen, viel schonen, mit dem Kader jonglieren, qualitative Tiefe erzeugen und viel rotieren. Eine Erfahrung, die der Deutsche in den darauf folgenden Spielzeiten nutzte.

 

 

Zu diesem Zeitpunkt kannte man das Team eher als "Heavy Metal" Mannschaft - volle Pulle, Gegenpressing und den Gegner mit Stakkato-Angriffen überrennen. Mit der Umstellung gelang es eine pragmatischere, progressivere Spielweise zu erreichen. In der kommenden Saison war klar, dass das Trainerteam sich darauf konzentrieren wird, die Energie des Teams auf die gesamte Saison zu verteilen und die Spitzenwerte abzurufen, wenn sie gebraucht werden.

Die Verpflichtungen von Virgil Van Dijk und Alisson Becker wirkten hier offensichtlich Wunder und brachten genau die fehlende Stabilität für diesen Spielstil. Insbesondere die defensiven Qualitäten des Niederländers, seine Führung und Lautstärke führten zu einem effektiveren und kräftesparenderen Spielstil. Das Team konnte fortan vom Gaspedal gehen und trotzdem nach Belieben die Kontrolle erhalten.

 

 

Die Verpflichtung war ein weiterer Beweis für die enormen Verbesserung im Klub. Die Arbeit von Michael Edwards in Zusammenarbeit mit Klopp führten zu den effektivsten Transfers der letzten Jahre in der Premier League - Sadio Mané, Georginio Wijnaldum, Mohamed Salah und Andy Robertson. Innerhalb von 18 Monaten zeigte man Europa, wie man Transfers in einem überhitzten Markt durchführt. Diese Transfers zeigten auch, dass man sich von Moneyball-Transfers größtenteils verabschiedete. Transfer-Gremien gehörten auch der Geschichte an. 100% Vertrauen in Klopp und Edwards ist die Folge.

Nachhaltigkeit und der "rote" Faden

Gerade Spezialisten haben den Erfolg von Liverpool unter Jürgen Klopp geprägt. Klopps und Liverpools Fortschritt basiert darauf, die eigenen Grenzen zu kennen und zu akzeptieren, aus den Niederlagen zu lernen, sich auf die Leute in seiner Umgebung zu verlassen und Experten in den Bereichen zuzuhören, in denen man zu kurz kommt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die klare Kommunikation mit dem Akademiedirektor Alex Inglethorpe, dem Mann von Klopp an der Akademie. Der neue Co-Trainer Pep Lijnders ist nun ein weiteres Bindeglied zur Akademie. Als Entwicklungstrainer liefert er wertvolle Informationen direkt an Jürgen Klopp, so können Fortschritte und Talente zeitnah identifiziert werden. Inglethorpe und Lijnders waren beide unter anderem Schlüsselpersonen beim Wechsel von Trent Alexander-Arnold in die erste Mannschaft. Trent  - eine Erfolgsgeschichte für sich.

Ein weiteres Beispiel für die Entwicklung ist der Einsatz des dänischen Einwurf-Trainers Thomas Grønnemark im vergangenen Sommer. Sein innovatives Denken perfektionierte eine weitere Baustelle bei den Reds. Seine Verpflichtung hat allerdings auch am meisten Spaß gemacht in den Medien. Andy Gray, ein früherer Everton-Stürmer, kritisierte den Einsatz des Trainers und machte sich öffentlich so lustig darüber, dass die starke Verbesserung bei den Einwürfen und die daraus resultierenden Erfolge ihn sehr klein mit Hut aussehen lassen.

 

 

Es folgten zwei historische Saisons, ein Champions League Finale und im zweiten Anlauf die Krönung als "Champions Of Europe". Der Beginn einer langen Erfolgsserie. Große Veränderungen wurden in den letzten Jahren unternommen und sicherlich folgen noch weitere. Retrospektiv ergibt nun alles Sinn. Der enorme Fortschritt für Liverpool unter Jürgen Klopp und FSG trägt vergleichsweise schnell Früchte.

Der Kontrast zu den dunklen Herbst-Tagen in 2015 und der Übernahme des Vereins durch die Fenway Sports Group am Rande des Bankrotts in 2010 ist zwar ebenso stark, allerdings ist der Wandel seitdem Jürgen Klopp in den Klub kam am vielversprechendsten. Die Eigentümer haben es erkannt. Sie planen nicht mit kurzfristigem Erfolg, was man von vielen Vereinen in Europa mittlerweile kennt. Sie bauen eine Dynastie auf. Eine Ära im Club, die vergleichbar sein kann mit der von Shankly und Paisley.

 

 

Der rote Faden zieht sich durch alle Abteilungen des Clubs und wird erst recht deutlich, wenn in den kommenden Jahren die neue 50 Millionen Akademie eröffnet wird. Ein weiteres Bindeglied eines Traditions-Klubs, der in den schon fast post-modernen Zeiten des Fußballs auf Altbewährtes setzt.

Der weitere Ausbau von Anfield komplettiert das Bild. Ein erneut ehrgeiziger Plan wird gerade designed, der nicht nur die Kapazität um nochmals fast 10% erhöhen, sondern auch die Peripherie um das Stadion noch einmal verbessern soll. Ein möglicher neuer Trikothersteller-Deal der mehr als 700 Millionen Pfund in zehn Jahren in die Kassen spülen könnte ist dann nur noch das Sahnehäubchen auf der Torte.

 

 

Der Liverpool FC ist Champions League Sieger und nun auch Super Cup Sieger. Sie spielen in dieser Saison um weitere fünf Trophäen und haben das beste und vielversprechendste Team (und den Manager) der Welt. FSG, Michael Edwards und Jürgen Klopp samt Trainerstab haben gezeigt, worauf es ankommt und wozu sie bereit sind. Der Club ist wieder in der Spitzenregion Europas angekommen. Man fürchtet wieder Anfield, die Fans sind wieder "unbearable" (unerträglich im positiven Sinne). Die Drahtzieher wissen, dass dieser Sport ein Marathon ist. Die Zukunft ist rot.

Up The REDS!

Die Grundthese dieser Kolumne stammt von Clark James und wurde von André Völkel für den deutschen Markt überarbeitet . Clark James schreibt eine regelmäßige Kolumne für PLBOLD.DK und Redmen Family DK.

 

 








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  boot room boy   fenway sports group   jürgen klopp  


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