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Photo credit: Clive Brunskill/Getty Images

Anfield Noise: (Noch) nicht sicher fühlen, aber daran glauben

Blog / Kolumne

  • Autor Robin Wittwer
    13 Monat(e) vor



Das Kalenderjahr ist beinahe Geschichte und Liverpool ist souveräner Tabellenführer in der Premier League. Die aktuelle Ruhe zeugt indes davon, dass die Liverpooler Fanbase aus der Vergangenheit gelernt hat.

Geschieht es wirklich? Sehen wir ernsthaft eine der besten Liverpool-Mannschaften der Geschichte, die im Frühling 30 Jahren Schmerz ein Ende bereiten könnte? ‘Wahrscheinlich’ ist wohl das passendste Adjektiv, um unsere Chancen zu beschreiben. Es wird Zeit, den Ballast der vergangenen beinahe Meisterschaften abzulegen und die Reise zu geniessen. Hier und jetzt ist keine banale Floskel mehr, sondern die größte Gelegenheit, die sich uns jemals geboten hat und bieten wird.

Dabei muss niemand daran erinnert werden, wie traumatisch das Ende des Frühjahrs 2014 war oder der Moment, als uns Vincent Kompany mit seinem Sonntagsschuss die allerletzte Hoffnung nahm. Um davon wieder aufzustehen, brauchte es am nächsten Tag schon die legendärste European Night, die Anfield jemals gesehen hat. Corner taken quickly. Balsam auf die Seele. Seitdem stehen wir auf unseren Füßen stärker denn je.

Dieses Mal ist es ruhiger als in der Vergangenheit, denn unsere loyale Fanbase, die schon viel mitgemacht hat, hat gelernt, mit der Euphorie umzugehen. Sobald der Kop 2014 die ersten Knospen spriessen sah, wurde er ekstatisch und konnte sich nicht mehr kontrollieren. Dieses Jahr war die Endphase der Saison schon kontrollierter, weil aus der Geschichte gelernt wurde. Zudem hatte City lange den Punktevorsprung.

Van Dijk gab vergangene Saison trotzdem zu Protokoll, dass er während dem Unentschieden gegen Leicester Ende Januar die Nervosität der Fans in Anfield spürte. Die Nerven flatterten trotz aller Unterdrückungsmechanismen wie wild gewordene Kanarienvögel. Dieses 1:1 war eines der Spiele, die uns den Titel kosteten. Ob die Redmen an diesem Tag mit positiver Unterstützung noch das Siegestor erzielt hätten? Das weiss niemand, dennoch kann es nur helfen.

Und jetzt? Die Gegenwart ist beinahe zu gut, um wahr zu sein. Ein ernüchterter Klopp saß nach dem letzten Spieltag der vergangenen Saison im Medienraum Anfields und blies gleich wieder zum Angriff.

„Dieser Verein ist in der besten Phase der jüngeren Geschichte und nur weil ein anderer Verein einen Punkt mehr hat, wird sich daran nichts ändern. Wir machen weiter und werden sehen, was wir für das kriegen.“

Diese Botschaft haben sich unsere Fans offensichtlich zu Herzen genommen. So lange weiter machen, bis diese verdammte 19. Meisterschaft nach Hause kommt. Bisher gibt es auch keinen Grund, Nerven zu zeigen. Die Reds spielen so bärenstark, dass solche Nebengeräusche sofort wieder ersticken.

Die gewonnenen Titel im zu Ende gehenden Jahr haben auch zur fantastischen Ausgangslage in der Liga beigetragen. CL, Super Cup sowie Vereinsweltmeisterschaft stärken die Überzeugung, auch die Premier League holen zu können. Mourinhos Patentrezept war es immer, im League Cup zu triumphieren, um danach mit der erschaffenen Siegermentalität den Endspurt in der Liga zu überstehen. Wir machen das einfach mit den europäischen Titeln.

Die rote Maschine rollt vorwärts

Es gibt nicht viel, was Klopps Reds noch stoppen könnte. Diese Spielzeit fielen bereits Alisson, Fabinho, Matip sowie Chamberlain längerfristig aus und trotz aller Zweifel kamen die Siege trotzdem. Der einzig über eine gewisse Zeitperiode wohl absolut nicht zu ersetzende Akteur ist van Dijk. Der Niederländer zeigt aber keine Anzeichen, dass er sich ernsthaft verletzten könnte.

Egal, wie man es sich aussucht, diese historische Zeit zu verfolgen, man sollte jede einzelne Sekunde davon genießen. Die Zeiten von Hodgson und Hicks & Gillette können schneller wieder zurückkommen, als wir es wahrhaben wollen. Klopp ist nicht für immer hier.

Ich glaube, wir stehen vor den Toren von etwas historischem. Natürlich sollte man nie den Champagner vor der erledigten Arbeit knallen lassen, man kann ihn aber schon kaltstellen. Optimismus hat noch niemanden geschadet. Solange der Support in Anfield positiv bleibt und nicht in die viel zitierte ‘Anxiety’ überschlägt, darf man ruhig euphorisch sein. Wer will es einem denn schon verbieten? Das ist auf jeden Fall besser, als für immer vergangene Herzensbrüche verdrängen zu müssen und sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was noch alles schief gehen könnte. Sollten wir es wirklich packen, gibts in Liverpool die größte Party, welche die Stadt jemals gesehen hat.

We have dreams and songs to sing.








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  anfield noise   Optimismus  


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