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Photo credit: Clive Brunskill/Getty Images

Anfield Noise: Die Wichtigkeit von Spirit of Shankly und Spion Kop 1906

Blog / Kolumne

  • Autor Robin Wittwer
    3 Tage vor



In Zeiten, wo die Interessen der Fans von den Fußball-Funktionären häufig ignoriert werden, hat sich in Liverpool Widerstand geformt. Dieser Widerstand beruht auf Prinzipien, welche auf Bill Shankly und den Traditionen des Spion Kops zurückgehen.

Die Realität des heutigen Fußballs lässt sich nicht leugnen: Überteuerte Ticketpreise, welche ganze Fangenerationen aus den englischen Stadien gentrifizieren; Tickets, die anstatt an Fans den Sponsoren gegeben werden; Vereinseigentümer, welche den kurzfristigen Profit über die Nachhaltigkeit des Vereins stellen und viele weitere Angelegenheiten, die nicht zugunsten der Fans laufen.

Mittlerweile hat beinahe jeder englische Verein eine Fanorganisation, welche die Interessen der Fans gegenüber dem Verein vertritt. Gelegentlich schließen sich die Fanorganisation verschiedener Vereine zusammen, um für Anliegen zu kämpfen, die alle Fans der Liga betrifft. In Liverpool nimmt diese Aufgabe ‘Spirit of Shankly’ (abgekürzt SOS) und ‘Spion Kop 1906’ wahr. Sie sind das Sprachrohr der Fans gegenüber den Vereinsverantwortlichen.

Gründung von SOS in turbulenten Zeiten 2008

Als im Januar 2007 die beiden amerikanischen Geschäftsleute Tom Hicks und George Gillett den LFC übernahmen, versprachen sie den Fans einiges. So wurde behauptet, dass innerhalb von 60 Tagen der Bau eines neuen Stadions beginnen würde und neue Stars gekauft würden. Der Beginn klang also vielversprechend, es endete aber beinahe in der Liquidation des Liverpool FC. Zwar wurde im ersten Transfersommer mit Fernando Torres der erhoffte Starspieler geholt, es wurde aber bald offensichtlich, dass die beiden Besitzer ihre Versprechen nicht einhalten konnten. Wegen Geldproblemen wurde das geplante neue Stadion nie gebaut. Um überhaupt die 435 Millionen Pfund für den Kauf des LFCs aufbringen zu können, mussten sich Hicks und Gillett 185 Millionen Pfund von der Royal Bank of Scotland (RBS) ausleihen.

Die Besitzer waren sich gegenseitig auch nicht einig, wie sie den LFC in Zukunft führen sollten. Hicks und Gillett hatten zudem Probleme, der RBS ihre Schulden zurückzuzahlen und wurden 2010 gezwungen, Liverpool an die jetzigen Besitzer zu verkaufen. Die Schulden, welche sie dem LFC aufgedrückt hatten, führten beinahe zum Bankrott des Vereins. Ihre Strategie wurde offensichtlich: Sportvereine billig zu übernehmen, um sie später mit einem großen Profit wieder zu verkaufen. Welche finanziellen Auswirkungen dies auf den Verein hatte, interessierte sie nicht.

Die Liverpool-Fans erkannten bereits früh, dass mit den damaligen Besitzern etwas nicht stimmte und trafen sich im Januar 2008 im Sandon Pub in Liverpool. Die Lügen und gebrochenen Versprechen von Hicks sowie Gillett erzürnte die Fans und es wurde entschieden, eine ‘Supporters Union’ zu gründen, also eine Fangewerkschaft. Es folgten Proteste, um auf sich aufmerksam zu machen. Diese Proteste beschränkten sich nicht nur auf Spieltage in und um Anfield – so wurden im März 2010 in Liverpool eine Plakatkampagne gestartet, welche die amerikanischen Besitzer anprangerte.

Heutige Mission

Auch wenn heute der LFC sportlich und finanziell exzellent dasteht, braucht es SOS immer noch. Gegenwärtig müssen die Fans nicht gegen unseriöse Besitzer ankämpfen und können sich auf andere Dinge konzentrieren. Dazu gehören Probleme mit Tickets, der Organisation von Auswärtsfahrten, der Vertretung von Fananliegen in der Vereinsführung und das ultimative Ziel, dass die Fans irgendwann den LFC besitzen. Auch wenn ‘supporter ownership’, also dass der Verein nur den Fans gehört, wohl unrealistisch ist, ist die Arbeit von SOS unverzichtbar.

Das prominenteste Beispiel, dass Fanorganisationen einen Einfluss auf Entscheidungen der Vereinsführung haben können, war der Walkout on 77’ im Februar 2016. Damals kündigte der LFC an, einen Teil der Tickets massiv teurer zu machen und es so noch mehr Fans zu verunmöglichen, Liverpool in Anfield zu unterstützen. Die treibende Kraft hinter diesem Protest war Spion Kop 1906, welche im Kop für die Flaggen verantwortlich sind und viel positives zur Fankultur beitragen. Spion Kop 1906 forderte die Fans auf, in einem Spiel gegen Sunderland in der 77. Minute Anfield zu verlassen und den Verantwortlichen klar zu machen, was sie von der Preiserhöhung halten. Gewisse Tickets in Anfield hätten mit der Preiserhöhung 77 Pfund gekostet. SOS unterstützte den Protest.

 

 

Etwa 10.000 Fans verliessen unter wütenden Protestsongs das Stadion. So wollten sie die nötige Aufmerksamkeit generieren, denn nur so war es realistisch, etwas zu erreichen. Obwohl sich SOS und Spion Kop 1906 vor dem Walkout on 77’ bei diversen Meetings mit dem LFC für tiefere Ticketpreise eingesetzt hatten, tat der Verein bei einem signifikanten Teil der Tickets das Gegenteil und wollte die Preise erhöhen. Schlussendlich gab die Vereinsführung dem Druck nach und erhöhte die Ticketpreise nicht. Seit dem Walkout on 77’ sind die Ticketpreise stabil geblieben, was wir den beiden Fanorganisation zu verdanken haben.

Die Interessen der Fans müssen gehört werden

Das oben geschilderte ist nur ein Bruchteil, was SOS sowie Spion Kop 1906 für die Fans tun. So setzen sich die beiden organisationen immer wieder für Fans ein, die zum Beispiel von Stewards ungerechtfertigt aus Anfield ausgeschloßen wurden und potenziell gebannt werden könnten.

Wann immer die Verantwortlichen in der Vereinsführung etwas vorhaben, was gegen die Interessen der Fans geht, schalten sich die Fanorganisationen ein. Mehrheitlich lassen sich die aufkommenden Probleme in Meetings lösen, manchmal ist wie beim Walkout on 77’ aber eine Protestaktion notwendig.

Seien es die Flaggen von Spion Kop 1906, der Protest gegen unseriöse Besitzer von SOS oder sonstige Anliegen – ohne diese beiden Organisationen hätten es die Liverpool-Fans heute um einiges schlechter als es gegenwärtig ist. Sie sind unverzichtbar, denn sie erinnern die Verantwortlichen daran, dass Fußball ohne Fans nichts ist.








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