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Gegneranalyse Leeds United: Der schmale Kader macht sich bemerkbar

  • Autor Lukas Heigl
    22. februar 2022

Die Whites kehrten im Sommer 2020 nach 16 langen Jahren in den Niederungen des englischen Fußballs endlich zurück in die Premier League. Nachdem man sich im ersten Jahr stark konsolidieren konnte, läuft es in diesem Jahr noch überhaupt nicht.

Die Sommertransfers sowie Trainer Marcelo Bielsa (66) haben wir bereits in der Gegneranalyse der Hinrunde ausführlich besprochen. Die Analyse findet ihr hier!

Zu viele Ausfälle und kein Plan B

Schon die ganze Saison läuft es nicht bei Leeds. Erst fünf Siege konnte man einfahren. Eine Begründung ist, dass Leeds nicht damit klar kommt, so viele Nationalspieler zu haben. Marcelo Bielsas (66) System benötigt es, dass die Spieler extrem viel trainieren. Dies ist nun nicht mehr möglich, die Vorbereitung war für die EM-Fahrer ebenfalls sehr kurz.

Zuletzt holte die Mannschaft aus vier Spielen nur einen Punkt, vor allem die Niederlage gegen Newcastle United (0:1) war wirklich schwer anzusehen. Hierfür gibt es zwei Hauptgründe: Den schlanken Kader und die Sturköpfigkeit von Bielsa. Ein kleiner Kader ist in einer normalen Saisonphase kein Problem, kann im Gegenteil sogar gut sein, da man intensiver mit den Spielern arbeiten kann.

In der aktuellen Lage ist die dünne Personaldecke jedoch tödlich für das sportliche Niveau. Das Lazarett lichtet sich zwar langsam, es sich jedoch immer noch sieben Spieler, die nicht zur Verfügung stehen werden. Im Dezember und Januar waren es sogar noch mehr. Gegen Arsenal etwa hatte Bielsa nur elf Spieler mit einem Profivertrag zur Verfügung, zwei davon waren Torhüter. Rechtsverteidiger Cody Drameh (20) sowie bis auf Ersatzkeeper Kristoffer Klaesson (21) die gesamte Bank waren Spieler aus der U23.

Am meisten fehlen ohne Zweifel Kapitän Kalvin Phillips (26) und Mittelstürmer Patrick Bamford (28). Phillips, der im Sommer bei der Europameisterschaft noch Stammspieler für die englische Nationalmannschaft war, fehlt seit Mitte Dezember mit einer Oberschenkelverletzung. Bamford, der letzte Saison noch an 25 Toren beteiligt war, stand bisher aufgrund einer Knöchelverletzung sowie ebenfalls Oberschenkelproblemen erst sechsmal auf dem Platz.

Dazu kommt noch, dass Bielsa auch in der aktuellen Lage nicht bereit ist, von seinem laufintensiven und riskanten System abzuweichen. Da die Spieler entweder nicht auf höchstem individuellen Niveau unterwegs sind oder inzwischen auch auf dem Zahnfleisch gehen, funktioniert das überhaupt nicht mehr. Immer wieder tun sich riesige Lücken auf, die es den Gegnern leicht machen, zu Chancen zu kommen.

Und so stehen die Whites mit nur 23 Punkten aus 23 Spielen auf Platz 15. Dadurch, dass Burnley noch einige Nachholspiele hat, kann es durchaus sein, dass man bald noch tiefer im Abstiegskampf steckt.

Pressing und Ballbesitz als Markenzeichen

Defensiv jagt Leeds den Gegner nach Ballverlusten über den gesamten Platz. Grundlage ist die sogenannte "Bielsa Press", ein extremes Pressing-System, in dem alle Spieler mitarbeiten müssen. Das Pressing zeichnet sich durch Momente aus, in denen bis zu sieben Spieler einen Gegner jagen. So möchte man den Spielaufbau des Gegners schon im Keim ersticken.

Konnte durch dieses Pressing ein schneller Gegenangriff verhindert werden, spielt Leeds die sogenannte „Manndeckung + 1“. Das bedeutet, dass jeder gegnerische Spieler manngedeckt wird und entsprechend auch aus der Position heraus verfolgt wird. Einzige Ausnahme ist einer der gegnerischen Innenverteidiger. Dafür hat man selbst einen freien Verteidiger, der defensiv die Lücken stopft, sollten welche auftreten.

Offensiv wird aus dem 4-1-4-1 System ein 3-3-1-3. Der defensive Mittelfeldspieler lässt sich hierbei zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, um im Spielaufbau zu helfen. Einer der beiden eigentlich offensiven Mittelfeldspieler rückt zwischen die beiden aufrückenden Außenverteidiger zurück. Der andere offensive Mittelfeldspieler agiert zwischen den Linien, um den Ball von den aufbauenden Spielern hin zu den offensiven Spielern zu bringen.

Raphinha - Zu gut für den Abstiegskampf

Die Fachleute staunten nicht schlecht, als der damalige Aufsteiger Leeds United am Deadline Tag 2020 die Verpflichtung von Raphinha (24) bekannt gab. Vor allem war bemerkenswert, dass Stade Rennes ihn nach einer ordentlichen Saison mit Verlust abgab. Die Franzosen hatten 21 Millionen Euro für den Brasilianer auf den Tisch gelegt, Leeds musste lediglich 18,6 Millionen Euro aufbringen.

Dass er dieses Geld definitiv wert ist, zeigte Raphinha sofort. In seiner ersten Saison war er in 30 Spielen an 15 Treffern direkt beteiligt (sechs Tore, neun Vorlagen). In dieser Saison konnte er seine individuelle Leistung nochmals steigern und sich vor allem auf die veränderten Umstände anpassen. Da an seiner Seite kaum noch erstligataugliche Spieler stehen, geht Raphinha nun deutlich mehr auf den eigenen Abschluss. Während der Brasilianer erst zwei Vorlagen auf dem Konto hat, erzielte er bereits neun Tore in 22 Spielen.

Auch ein Blick in die erweiterten Statistiken zeigt, wie stark Raphinha bisher spielt. In nahezu allen für einen Offensivspieler relevanten Statistiken gehört er zu den Topspielern im Ligavergleich. Bei den Schüssen pro Spiel steht er auf Platz fünf (2,8), bei den Key-Pässen auf Platz fünf (2,0), bei Dribblings auf Rang drei (2,2). Auf ihn gilt es also besonders aufzupassen.

Prognose

Gegen das Pressing klarzukommen wird für Liverpool entscheidend sein. Dafür bedarf es vor allem im Mittelfeld die entsprechenden Spieler. Gelingt es den Reds, das Pressing auszuhebeln, ist Leeds extrem anfällig. Die Angreifer dürften genug Platz bekommen, um Tempo aufnehmen zu können. Die offensiven Außenverteidiger Liverpools werden ihre Räume bekommen um gefährlich ins Spiel eingreifen zu können.



Auch zu packen sind die Whites bei Standards. Mit zwölf Gegentoren stellt man die zweitschlechteste Defensiven der Liga in diesem Bereich. Durch die Fokussierung auf den läuferischen Aspekt sind die meisten Spieler im Kader eher kopfballschwach. Auch die mannorientierte Verteidigung von Ecken hilft dabei wenig. Dazu ist Leeds - ob ihrer Spielweise wenig verwunderlich - sehr anfällig gegen Konter. Kein Team kassiert hier mehr Gegentore.

Offensiv sind bei den Whites wäre normal alle Spieler gefährlich. Durch die vielen Ausfälle ist Raphinha inzwischen so etwas wie der Alleinunterhalter. Schaltet man den Brasilianer aus, geht nach vorne nicht mehr viel.





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